Interview

Der Regisseur Romeo Castellucci über seinen Wiener «Orfeo», das Koma als Schattenreich, seine Euridice und eine Sprache des Lächelns und der Tränen

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Glucks «Orfeo ed Euridice» ist nach dem Brüsseler «Parsifal» von 2011 die zweite Oper, die Sie inszenieren. Warum haben Sie sich erst so spät dieser Gattung zugewandt?
Unter allen Gattungen empfinde ich die Oper am stärksten als rückwärts­gewandt und konservativ. Sie stellt eine Welt ohne Sauerstoff dar, die in erstickender Weise an eine bestimmte Vorstellung von Repertoire gefesselt ist. Man kann Oper inszenieren, aber nur an ausgewählten Orten. Es erfordert einen grundsätzlichen Glauben an die Regie.

Wir müssen ein Werk in die ­Gegenwart tragen, anstatt zu rekonstruieren und zu restaurieren – sonst wird die Oper zu einem Mausoleum.

In einem Interview nannte Festwochen-Intendant Markus Hinterhäuser Ihren «Orfeo» das mit Abstand schwierigste Projekt, für das er ­jemals verantwortlich gewesen sei.
Die größte Herausforderung bestand darin, zu beurteilen, ob die Idee, eine Komapatientin in dieser Weise zu zeigen, ethisch überhaupt vertretbar ist. Dies war nur durch zahllose Gespräche möglich – mit Experten, Ärzten, der Familie und schließlich auch mit der Patientin selbst.

Wie ging die Kommunikation mit der Patientin vonstatten?

In erster Linie über die Eltern. Die Patientin befindet ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lena Drazić & Juri Giannini

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