Ins Innerste
Der Orchestergraben ist geschlossen, die vordersten Reihen im Parkett sind herausgenommen, die Musikerinnen und Musiker gehen in einer langen Reihe durch den Zuschauerraum zu ihren Plätzen. Sie sind es, die an diesem Abend die Hauptrolle spielen und – im Zusammenwirken mit der suggestiven Inszenierung von Evgenia Safonova, die in Perm als Musiktheaterregisseurin debütiert – dafür sorgen, dass uns während des gesamten Stücks ein nachgerade fürchterliches Entsetzen ergreift.
Mag Fedor Lednev aus der Musik Bartóks keineswegs alles Quälend-Düstere herausholen, mag er die fortissimi nicht bis zum hellen Wahnsinn führen, das Unheil nur in Ansätzen komprimieren – sein Dirigat ist ebenso intensiv und ausdrucksstark wie der Dialog zwischen Herzog Blaubart (stimmgewaltig: Garry Agadzhanyan) und Judit (feingeschliffen: Natalia Lyaskova).
Auf der Bühne eine graue Kammer. Während des zwanzigminütigen, von Valerij Woronow eigens für diese Aufführung geschriebenen Prologs erscheinen auf einem Fernsehschirm Videoprojektionen, die das Herz erstarren lassen. Regisseurin Safonova zeigt die Protagonisten nicht als sauber gefeilte Charaktere, sondern inmitten eines sorgfältig gestalteten großen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexei Parin
Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen...
Wir nehmen an, es war eisig kalt an diesem 27. Februar 1675 in London und vermutlich neblig dazu. Draußen zumindest. Drinnen aber, im frisch renovierten Dorset Garden Theatre, brannte sogar die Luft. Ein Spektakel gab es da zu erleben, das seinesgleichen suchte, mit Höllenund Himmelsmaschinen, üppigen Kostümen, frech-frivolen Tanzeinlagen und einer hinreißenden wie...
Ein Ausflug von Berlin nach Potsdam hebt meistens die Stimmung, aber zweimal pro Jahr gibt es für Musiktheaterfreunde einen wirklich guten Anlass: im Sommer zu den Musikfestspielen im zauberhaften Park von Sanssouci – und im November zur Winteroper der Kammerakademie Potsdam, die nach langjähriger Bauunterbrechung inzwischen wieder das barocke Schlosstheater im...
