Ins Dunkle
Calixto Bieito war lange Advokat eines nimmermüden Blut- und Sperma-Theaters, Skandalnudel mit kalkulierbarem Provokationsausfluss. Doch die Zeiten haben sich geändert, Bieitos Position im Musiktheaterbetrieb ebenfalls. Mit seiner Inszenierung von Sergej Prokofjews «Feurigem Engel» in Zürich beschert uns der Regisseur einen ganz großen Abend.
Renata war acht Jahre alt, als ihr die Lichtgestalt des Engels Madiel erstmals erschien. Tag für Tag spielten sie miteinander, manchmal auch mit Puppen.
Als sie ihm mit 16 bedeutete, es dürfe auch etwas mehr sein, verschwand der zornig gewordene Engel spurlos. In einem Grafen Heinrich glaubte sie ihn wiederzuerkennen. Doch auch der ließ sie sitzen. Nun sucht sie pausenlos nach dem Verschollenen, hört alle Dämonen dieser Welt an Wände klopfen, bis der Inquisitor sie einem Exorzismus unterzieht. Renata stirbt den Flammentod: Sie selbst ist der feurige Engel.
Wahn, Wahn, überall Wahn, würde Wagners Hans Sachs diagnostizieren. Eine ver(w)irrte Seele, Schizophrenie, Traumata, Depressivität, kurz: Neurosen aller Arten, das Mittelalter, wo es am finstersten ist. Und früher Missbrauch ist gewiss auch im Spiel. Prokofjew fand den Stoff bei dem ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Johannes-Passion» von Carl Philipp Emanuel Bach – ein Druckfehler? Nein. Denn wie der Vater, so der Sohn. Dessen Passion geriet indes deutlich kleiner und kommt nicht nur aus eigener Herstellung: Sie ist auch Konglomerat von Werken unterschiedlicher Komponisten der Zeit. Von welchen genau, das ist, wenngleich der große JSB durchklingt, nicht aufgeklärt. Das...
Dem Osnabrücker Theater ist mit der Wiederaufführung von Hans Gáls Oper «Das Lied der Nacht» eine spektakuläre Entdeckung gelungen. Gál gehört zu den zahllosen, von den Nazis ins Exil vertriebenen Künstlern, die nach 1945 nicht wieder Fuß fassen konnten. Der stilkonservative Spätromantiker entsprach nicht mehr den Erwartungen der Zeit. Als er 1987 im Alter von 97...
Zu einem Auftritt an der Met habe ich’s nie gebracht. Ich glaube auch kaum, dass es noch dazu kommt. Macht nichts; wahrscheinlich kämen wir, die Met und ich, ohnehin nicht miteinander aus. Ich habe mir da das eine oder andere angesehen: Stets schien mir das Publikum sehr betagt und konservativ. Wer nicht schon nach ein paar Takten selig schlummerte, beschwerte sich...
