Die Waffen nieder!
Kriegsspiele haben Tradition. Auf Holzsoldaten folgten Zinnfiguren, dann kamen Armeen aus Kunststoff, bevor Spielzeugblaster und Ego-Shooter für den bislang letzten Evolutionssprung des homo ludens sorgten. Es gibt aber auch ziemlich intellektuelle Formen der Kriegsspielerei: Die eine heißt Schach, die andere Regietheater. Friedensbewegte Zeitgenossen meinen, allein der Besitz von Waffen führe zwangsläufig zu deren Einsatz. Für Theater und Opernhäuser gilt das ohne jeden Zweifel.
Und das gute Gewissen liefern sie auch gleich mit, sind doch die Machinationen von Krieg und Gewalt, die uns mittlerweile jedes Haus vorsetzt, selbstverständlich kritisch intendiert.
Nun wird in Opern eher gepflegt gemordet, nämlich individuell und motiviert. Um kollektive Katastrophen zeigen zu können, müssen die Libretti umgeschrieben, Zeit und Ort verfälscht werden. Dieses Los ereilte jetzt auch Riccardo Zandonais Liebesdrama von 1922 – und das gleich doppelt. Braunschweig verlegt «Giulietta e Romeo» in den Ersten Weltkrieg, Erfurt in den Zweiten. So erfreulich Inszenierungen durch gleich zwei deutsche Bühnen sind, so ärgerlich sind die faden «Aktualisierungen»; einem Außenseiter wie «Giulietta e ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Volker Tarnow
Unter Kapellmeistern kursiert das Bonmot, Humperdincks «Hänsel und Gretel» sei die schönste Wagner-Oper. Und wer wäre berufener, dafür den Beweis zu erbringen, als Christian Thielemann, der mit seinem Wiener Dirigat beim Publikum Begeisterung auslöste und bei der Kritik überwiegend Zustimmung fand. Freilich wird man bei seiner Auslegung der Partitur weniger an das...
Ja, es gibt Vorurteile gegen dieses Stück: nicht zu Unrecht. Ganz ausgereift erscheint die Geschichte nicht, wirkt zudem bei oberflächlichem Blick wie ein «Rosenkavalier»-Imitat, wie der fahle Nachhall des Geniestreichs. Ist es aber nicht, wenn man genau hinschaut. Und vor allem: hinhört. Dann wird schlaglichtartig die Vergänglichkeit der Epoche bewusst, und wie...
Am Schluss kreist das Planetarium geräuschlos um die eigene Achse, während sämtliche Figuren des Stücks an die Rampe treten und per Videotechnik auf die Bühnenrückwand projiziert werden. Es ist die leisere, aber durchaus transzendenzaffine Variante eines Bildes, mit dem Paul Hindemith zum Ende seiner Oper «Die Harmonie der Welt» nicht weniger als die gesamte...
