Geschändet
Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher Bigotterie. Ihr weißes Nachthemd ist völlig verdreckt, an den Schenkeln klebt krustiges Blut, das Gesicht eine einzige Wunde.
Als Golaud zu ihr hintritt, ergreift die Jungfrau, die sie nicht mehr ist, jene sphingische Panik, die schon Mallarmés Herodias befiel und Puccinis Turandot. Und eines scheint in diesem Augenblick gewiss: Das Furchtbare, das Mélisande widerfuhr, kennt einen Namen: Vergewaltigung.
Nie je wurde das so drastisch, so schmerzhaft, erschütternd, zugleich so poetisch zwingend auf die Bühne gebracht wie jetzt in Oslo. Dreieinviertel Stunden lang werden wir Zeuge einer Menschenverstümmelung, die nur aushaltbar ist, weil es bis zum Schluss ein Gegenbild gibt: die Utopie einer unschuldigen Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die abseits der Konventionen, abseits der grausamen gesellschaftlichen Realität ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Das Hirn hat Beine, damit es tanzen kann. Unablässig bewegt es sich zu den sich ständig wiederholenden Klangmotiven, kommt dabei nicht von der Stelle, ausgestellt und ganz für sich. Unter den vielen Bildern, die Kay Voges in seiner Deutung von «Einstein on the Beach» präsentiert, ist das tanzende Riesenhirn das zentrale. Darin stecken viele Grundgedanken dieses...
alpha
04.06. – 11:00 Uhr
Valery Gergiev dirigiert Schostakowitsch: 11. Symphonie g-moll op. 103
Im Rahmen der Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Retrospektive
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Meisterwerke der Klassischen Musik: Igor Strawinsky – Le sacre du printemps
Die audiovisuelle Konzertführer-Reihe gibt Einblicke in die wichtigsten Werke der Musikgeschichte vom Barock bis zur...
Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven...
