Flickenteppich
Am 10. Juni und 16. Juli 2017 in Berlin. Video unter https://www.youtube.com/watch?v=p2IlCc2ub78
Frauen? Die Meinungen differieren in Sorotschinzi, zumindest was die gute Chiwrja Nikiforowna betrifft. Bauer Tscherewik fragt sich, warum der liebe Gott, wo es doch schon hinreichend Dreck auf Erden gebe, dazu noch das Weib geschaffen habe, Afanassi Iwanowitsch hingegen, Dorfgeistlicher mit libertinär-libidinöser Moral, vertritt die Ansicht, allein von ihr könne er sie süßesten Gaben erhalten, «bildlich gesprochen». Erklären lässt sich die Divergenz relativ einfach: Dieser ist Chiwrjas Liebhaber, jener ihr Ehegespons.
So weit, so banal, so fatal.
Was jedoch wirklich für Aufregung in dem ukrainischen Marktflecken sorgt, ist der Teufel höchstselbst. Angeblich hat er einen roten Kittel an den jüdischen Schankwirt versetzt und verlangt nun, in ein Schwein verwandelt, rachedurstig sein Kleidungsstück zurück. Das aber ist, so will es die Mär, unmöglich: Der Kittel ist weg. Was daraus folgt, ist die Groteske mit dem Titel «Der Jahrmarkt von Sorotschinzi» von Nikolai W. Gogol.
Modest Mussorgsky vertonte die Erzählung auf ein eigenes Libretto, das sich eng an die literarische Vorlage hält. Leider wurde er nicht fertig. Eine halbe Ewigkeit lag die komische Oper unvollendet in der Ecke, ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten
Die «Generation Praktikum» hat längst die Opernhäuser erreicht. Früher war das anders, da wurde man einfach ins Wasser geworfen: Adelina Patti war bei ihrem Bühnendebüt gerade mal 16, Lilli Lehmann nur ein Jahr älter, Anna von Mildenburg und Astrid Varnay standen mit 23 erstmals auf den Brettern, beide in der «Walküre» – Mildenburg 1895 als Brünnhilde in Hamburg...
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di...
Wenn der Hirsch röhrt, ist das in einer heutigen Aufführung einer romantischen Oper nur als ironisches Zitat zu verstehen. Bei Yona Kims Inszenierung von Robert Schumanns «Genoveva» am Nationaltheater Mannheim darf man sich da nicht so sicher sein. Denn das Gemälde, das an einer hellgrauen Wand aufgehängt wird, ist ästhetisch einwandfrei gearbeitet; die Hirschkuh...
