In Hülle und Fülle
Fesch sind sie beide, doch in ihrer Erscheinung unterscheiden sie sich deutlich: Klaus Florian Vogt, der blonde deutsche Held, und Jonas Kaufmann, der «Latin Lover» aus München. Ihr Singen entspricht dem äußeren Bild: Hell, fast weiß – für seine Fans wie Sekt, für weniger Begeisterte wie Selters – klingt die Stimme Vogts; jene Kaufmanns hat die rubinrote Farbe dunklen, süffigen Rotweins.
Ihre Wagner-Recitals bieten zugleich die Konfrontation zweier Gesangstechniken: Vogts schlanke, kopfige Tongebung scheint sich eher an der (deutschen) deklamatorischen Art zu orientieren – wenngleich man ihm die typische «Wagner-Deklamation» nicht unbedingt vorwerfen möchte. Kaufmanns Art hingegen, stets sul fiato zu singen, dabei den ganzen Körper als Resonanzraum zu nützen, bringt mediterrane Fülle.
Dass der Münchner sich mit aufgeblähter mezza voce ums Piano herumschmuggele, wie es ihm mal nachgesagt wurde, widerlegt er hier mit Im fernen Land (in der zweistrophigen Originalversion) eindeutig: Er beginnt beinahe im Pianissimo, mit warmem, erfülltem Ton auf dem Atem. Der gewohnten Erscheinung Lohengrins mag er nicht ganz entsprechen – weswegen Regisseur Claus Guth zur Eröffnung der diesjährigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Mit den letzten 42 Takten seines 1829 uraufgeführten Schwanengesangs Guillaume Tell hat Rossini die Tür in ein neues Jahrhundert aufgestoßen. Schwebende Klangflächen über harmonisch labilen Dreiklangsbrechungen evozieren nicht nur den Sonnenaufgang der Freiheit, der auf die Nacht der Tyrannei folgt, sondern auch eine ungewisse Zukunft. Bis zum erlösenden C-Dur ist...
Mitunter überlebt Vergessenes oder Ausgeblendetes nahezu unbemerkt in Werken, die längst zum Kanon gehören. Wie jenes Zitat aus dem sechsten der Acht Lieder op. 6 (1903), das Schönberg in seinem 1924 unter Leitung Zemlinskys in Prag uraufgeführtem Monodram Erwartung op. 17 (1909) verwendet. Adorno hat in der Philosophie der neuen Musik darauf hingewiesen. Nun...
Zur Feier des Britten-Jubiläums haben die beiden wichtigsten englischen Festivals Mitschnitte herausgebracht: Glyndebourne Jonathan Kents Inszenierung von The Turn of the Screw auf DVD, Aldeburgh The Rape of Lucretia unter Oliver Knussen als Doppel-CD.
Die Glyndebourne-Produktion (eine Reprise der Inszenierung von 2005 aus dem Jahr 2011, aber erstmals auf DVD)...
