Editorial März

Manchmal ist die Dramaturgie eines Opernwelt-Heftes eine klare, vorab konzipierte Sache. Die Redaktion legt thematische Leitlinien fest, denkt über Inhalte und Textformen nach und sucht dann die entsprechenden Autoren. Manchmal ergibt sich eine solche Dramaturgie aber auch zufällig. Und sie muss deshalb keineswegs schlechter sein. So geschehen bei diesem Heft: Zwei zentrale Aufführungen ergänzen sich in ihrem Zugriff, und das Gespräch mit dem Dirigenten Hartmut Haenchen (das aus Anlass seines 70. Geburtstages geführt wurde) passt perfekt dazu.



Auf den ersten Blick scheinen Meyerbeers Vasco de Gama in Chemnitz und Thomas Hengelbrocks konzertanter Parsifal in Dortmund/Essen gar nicht viel miteinander zu tun zu haben. Im einen Fall spielt man erstmals nach der neuen kritischen Gesamtausgabe, was bedeutet, dass Meyerbeers letzte Oper fünf Stunden und zehn Minuten dauert. Im anderen Fall geht es um eine neue, alte Klanglichkeit des bekannten Notentextes: das Bühnenweihfestspiel auf historischem Instrumentarium. In beiden Fällen ist der Weg ­zurück zu den Quellen jedoch einer nach vorne. Wir lernen zum Beispiel: Meyerbeers Panorama an Szenen und Stimmungen kann sich erst entfalten, ja es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Käfig voller Narren

I am what I am» singt eine Frau vor der Ouvertüre – eine ansonsten stumme Darstellerin, die der wilden Freibeuterin Fosca als Mischwesen zwischen Groupie und Spielleiterin hinterherläuft. So ist der Käfig voller Narren von 1983 vor die Oper von 1873 gesetzt – die Regie versucht nicht, den grandiosen Opernschmarren der Fosca-Handlung zuzukleistern oder alle...

Raffsucht in Roulettenburg

Die ersten Takte signalisieren Jahrmarkt oder ­Music Hall, leicht angeschrägt. Man könnte auch an die Klangchiffre eines kreiselnden Roulette-Rades denken: Wir befinden uns in einem imaginären Spielcasino, in «Roulettenburg». Dort spielt, frei nach Dostojewskij, die Oper Der Spieler, ein frühes Projekt Sergej Prokofjews, das er schon 1917 für das Mariinsky-Theater...

Initiation in Haute Couture

Vielleicht ließ Vincent Boussard, Regisseur von Händels Radamisto im Theater an der Wien, seine Seele im Sigmund-Freud-Museum in der Berggasse baumeln. Auf jeden Fall spielt seine Inszenierung mit dem Phänomen von Ich und Über-Ich sowie mit der Welt der Träume. Im kargen Bühnenraum von Vincent Lemaire schwänzeln unter anderem in allen Größen projizierte Zierfische...