Editorial März
Manchmal ist die Dramaturgie eines Opernwelt-Heftes eine klare, vorab konzipierte Sache. Die Redaktion legt thematische Leitlinien fest, denkt über Inhalte und Textformen nach und sucht dann die entsprechenden Autoren. Manchmal ergibt sich eine solche Dramaturgie aber auch zufällig. Und sie muss deshalb keineswegs schlechter sein. So geschehen bei diesem Heft: Zwei zentrale Aufführungen ergänzen sich in ihrem Zugriff, und das Gespräch mit dem Dirigenten Hartmut Haenchen (das aus Anlass seines 70. Geburtstages geführt wurde) passt perfekt dazu.
Auf den ersten Blick scheinen Meyerbeers Vasco de Gama in Chemnitz und Thomas Hengelbrocks konzertanter Parsifal in Dortmund/Essen gar nicht viel miteinander zu tun zu haben. Im einen Fall spielt man erstmals nach der neuen kritischen Gesamtausgabe, was bedeutet, dass Meyerbeers letzte Oper fünf Stunden und zehn Minuten dauert. Im anderen Fall geht es um eine neue, alte Klanglichkeit des bekannten Notentextes: das Bühnenweihfestspiel auf historischem Instrumentarium. In beiden Fällen ist der Weg zurück zu den Quellen jedoch einer nach vorne. Wir lernen zum Beispiel: Meyerbeers Panorama an Szenen und Stimmungen kann sich erst entfalten, ja es ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grausamer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine...
Kaum ein Theaterklassiker provoziert so widersprüchliche Gefühle wie Kleists Prinz von Homburg, gleichsam die preußisch-protestantische Neuauflage der altgriechischen Tragödie: Anstelle der Götter gebietet der Kurfürst über Sein oder Nichtsein. Nachdem er den unbotmäßigen Prinzen durch das Stahlbad lutherischer Selbsterkenntnis geschickt hat, erlässt er ihm in...
Auf der Bühne dreht sich langsam ein angeschnitter Kubus im Bauhaus-Stil. Oben in einem verglasten Raum schmiegt sich blaues Ethnokleid an pinke Funktionsweste, schwarzes Haar an Rockerglatze, presst sich Mund an Mund: Zwischen Aida und Radames ist alles klar in Zagreb. Sie knutschen, bis Anubis seine Nüstern dazwischenschiebt. Knallpink der Gott des Totenkults,...
