In der Stille der Nacht

Ted Huffman entfernt in Strasbourg allen Pathos aus Verdis «Otello», die Dirigentin Speranza Scappucci setzt dagegen auf entflammte Leidenschaft

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Von Giuseppe Verdi ist bekannt, dass er die Realisation seiner Opern, insbesondere der späteren Werke, mit besonders penibler Umsicht begleitete. So erschien relativ bald nach der Uraufführung des «Otello» am 5. Februar 1887 im Verlag Ricordi eine Disposizione scenica, in welcher die Umsetzung des Geschehens wie in einem Regiebuch genau festgelegt war. Das mag aus heutiger Perspektive, in einer Zeit, in der Stoffe, Textbücher und Libretti oft nichts anderes sind als Materialsammlungen, wie Theater von einem anderen Stern klingen.

Und dennoch dürfte es etwas inhaltlich Zentrales auf sich haben mit jener Verwandlung, wie sie in den Regieanweisungen zur letzten Szene des ersten «Otello»-Akts formuliert ist: «Der Himmel hat sich aufgeheitert, die Sterne treten hervor, und der Horizont wird vom blassen Licht des auf -gehenden Mondes blau erhellt.» Es ist das einzige Mal in diesem Stück, dass zwischen Otello und Desdemona alle atmosphärischen Eintrübungen verschwunden scheinen.

Jenes «Gia nella notte densa» – in der Dunkelheit der Nacht verliert sich nun aller Lärm, zählt zu den berührendsten, intimsten Duetten der Operngeschichte. Der gesamte vorausgegangene Lärm, alle Anspannungen und ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick

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