Phantastische Bilderwelten
Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl aus Wassertropfen, aufwuchernden Pflanzen, Pilzen und menschlichen Gliedern eine weiße Gestalt, die sich machtvoll aus dem Retortenbett erhebt.
Ist Magie, göttlicher Wille oder Trickserei im Spiel? Das lässt die Inszenierung geschickt offen.
Lichtgestalten, die Erlösung verheißen, sind heute kaum weniger gefragt als im epischen Mittelalter. Parallelen zu selbsternannten Heilsbringern und neuen Königen unserer Zeiten ergeben sich wie von selbst. Die Skepsis der Regie gegenüber dem vermeintlichen Erlöser verrät sich bereits in einem Detail: Der strahlende Held hat einen schwarzen Arm. Eine Hand ist verkohlt, der blütenweiße Anzugärmel angesengt. Vontobels Inszenierung spielt in einer Zeit des Umbruchs, in der das Christentum Herrschaft gewonnen hat über die germanische Götterwelt, deren archaische Kräfte untergründig ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler
Einer der beiden Figaros dreht völlig durch, erdrosselt den frauengeilen Chef mit der Peitsche, um danach zu fliehen. Und der andere? Findet sich plötzlich als Gehilfe seines eigenen Autors wieder, um der vor Jahren enthaupteten Marie Antoinette ein unmoralisches Angebot zu machen: Geschichte zurückdrehen, Kopf wieder dran, dafür soll sie ins Bett mit...
Yerma», das bedeutet soviel wie «ausgedörrt» und «unfruchtbar». Und es ist gewiss kein Zufall, dass auch die Titelfigur in Federico García Lorcas Drama diesen Namen trägt – eine junge Frau im ländlichen Andalusien, die sich mit Juan, den ihr Vater ausgesucht hat, nur verheiratet hat, weil sie sich in eine Mutterrolle flüchten will. Doch Jahr um Jahr vergeht, ohne...
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta...
