Phantastische Bilderwelten

Wagner: Lohengrin MANNHEIM | NATIONALTHEATER

Opernwelt - Logo

Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl aus Wassertropfen, aufwuchernden Pflanzen, Pilzen und menschlichen Gliedern eine weiße Gestalt, die sich machtvoll aus dem Retortenbett erhebt.

Ist Magie, göttlicher Wille oder Trickserei im Spiel? Das lässt die Inszenierung geschickt offen.

Lichtgestalten, die Erlösung verheißen, sind heute kaum weniger gefragt als im epischen Mittelalter. Parallelen zu selbsternannten Heilsbringern und neuen Königen unserer Zeiten ergeben sich wie von selbst. Die Skepsis der Regie gegenüber dem vermeintlichen Erlöser verrät sich bereits in einem Detail: Der strahlende Held hat einen schwarzen Arm. Eine Hand ist verkohlt, der blütenweiße Anzugärmel angesengt. Vontobels Inszenierung spielt in einer Zeit des Umbruchs, in der das Christentum Herrschaft gewonnen hat über die germanische Götterwelt, deren archaische Kräfte untergründig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Die pure Selbstdarstellung

Zwei Opernpremieren, die im Rückblick als ein musikpolitisches Schlüsselereignis im nationalistisch gefärbten Parteikampf der deutschen Kultur- und Ideengeschichte des frühen 19. Jahrhunderts gelten dürfen, fanden 1821 innerhalb weniger Wochen in Berlin statt – die von E. T. A. Hoffmann eingerichtete deutschsprachige Fassung von Gaspare Spontinis «Olympia», die den...

Zwischen Himmel und Hölle

Der Pfad ins Paradies, wir wissen es spätestens seit Erscheinen von Dante Alighieris «Divina Commedia», einem der maßgeblichen Texte der europäischen Kulturgeschichte, ist verschlungen, steinig und steil. Und er führt, jedenfalls bei Dante, durch die Hölle und das Fegefeuer. Wer das ersehnte Elysium (welcher Provenienz auch immer es sein mag) wirklich ohne Wunden...

Dienen sollst du, dienen

Es ist nur ein «Schattenbild». Doch ein vielsagend-mehrdeutiges. Es zeigt den Dirigenten (nicht den Komponisten) Gustav Mahler, in vielen verschiedenen Posen und Positionen, bei seiner «Arbeit»; mal wild fuchtelnd, mal herrisch gebietend; mal mahnend, mal insistierend; mal drängend, mal distanzierend. Man kommt nicht umhin, in dieser liebevollen, posthum erstellten...