Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Einer der beiden Figaros dreht völlig durch, erdrosselt den frauengeilen Chef mit der Peitsche, um danach zu fliehen. Und der andere? Findet sich plötzlich als Gehilfe seines eigenen Autors wieder, um der vor Jahren enthaupteten Marie Antoinette ein unmoralisches Angebot zu machen: Geschichte zurückdrehen, Kopf wieder dran, dafür soll sie ins Bett mit Komödiendichter Beaumarchais. Hier kraus verschrägte Theaterebenen, dort Abbiegung in den Mord – es spricht Bände, wie zwei bayerische Musiktheater mit dem Figaro-Stoff umgehen und ihn auf die Bühne bringen.
Am Gärtnerplatz ließ man sich «Der tollste Tag» schreiben. Komponistin Johanna Doderer, hier schon mit «Liliom» und «Schuberts Reise nach Atzenbrugg» beauftragt, lehnt sich dabei an Peter Turrinis gleichnamiges Schauspiel von 1972 an. Der wiederum bediente sich bei Mozarts «Figaro», raffte und ließ das fingierte Stelldichein Almavivas mit Susanna tödlich enden: Die Revolution beginnt quasi im Garten des Grafen. Was bei Turrinis Schauspiel noch Nachhall der 1968er war, wird im Klangkleid Doderers und in der Regie von Hausherr Josef E. Köpplinger zum gefälligen Aufruhr: Mozart meets «Les Misérables». Erneut überrascht, wie ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel
Das höchste Lob für Irmgard Seefried stammte aus dem Mund von Elisabeth Schwarzkopf: «Wir alle beneideten sie, dass alles, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand es, mit dem Herzen zu singen.» Kühle Perfektion, Schönheit als Selbstzweck waren nie ihre Sache. Ein Star wollte sie nicht sein. Seefried...
Holger Falk und sein Klavierpartner Steffen Schleiermacher haben ihre langjährige diskographische Erkundung von Liedern der franzö -sischen «Groupe des Six» mit dem Louis Durey (1888–1979) gewidmeten neunten Album soeben abgeschlossen. Durey war nur kurze Zeit Anhänger des von Jean Cocteau am Ende des Ersten Weltkriegs gestifteten losen Zusammenschlusses junger...
Christof Loy ist seit mehr als 35 Jahren im Operngeschäft – und in der Wahl seines Repertoires immer schon eigenwillig gewesen. Einige Werke des Kernrepertoires hat der Regisseur bewusst ausgelassen. So hat er nie eine «Butterfly» inszeniert, keinen «Rigoletto» und keinen «Trovatore», weder den «Fliegenden Holländer» noch den «Ring». Sein Faible galt (und gilt) dem...
