Nächtlich-galaktisch
Dass Wagner auch an kleineren Häusern funktioniert, ist am Klagenfurter Stadttheater längst bewiesen. Der 1910 eröffnete Musentempel im klassizistischen Stil mit elegant platzierten Jugendstil-Elementen hat bereits einen kompletten «Ring» mit Erfolg gestemmt und setzt selbstbewusst nun auch «Tristan und Isolde» zur Saisoneröffnung auf den Spielplan.
Die Herausforderung, die Klangfluten für einen kleinen Raum ins Kammermusikalische gleichsam zu «übersetzen», ist auch in diesem Werk immens; der tatsächliche Mangel an äußerer Handlung muss auf der Bühne kompensiert, aber nicht verkleinert werden ins Anekdotische.
Dennoch liegt der Schlüssel zum Gelingen eines «Tristan» im Graben. Der neue GMD Chin-Chao Lin geht mit den akustisch schwierigen Voraussetzungen souverän um. Schon im Vorspiel setzt er auf eine rhetorisch-atmende Musizierweise, geht aber doch flüssig voran, sodass mangels sanft verklingenden Nachhalls nichts verkümmert. Klanglich muss Lin im weiteren Verlauf sein reduziert besetztes Kärntner Sinfonieorchester nicht zügeln – das Vokalensemble besteht durchgehend aus ausgewachsenen Wagner-Stimmen, was allerdings eher zum Problem wird, da man die Anstrengungen dieser ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Regine Müller
Es ist nur ein «Schattenbild». Doch ein vielsagend-mehrdeutiges. Es zeigt den Dirigenten (nicht den Komponisten) Gustav Mahler, in vielen verschiedenen Posen und Positionen, bei seiner «Arbeit»; mal wild fuchtelnd, mal herrisch gebietend; mal mahnend, mal insistierend; mal drängend, mal distanzierend. Man kommt nicht umhin, in dieser liebevollen, posthum erstellten...
Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...
Nach der Pause geht die halbe Reihe hinter uns geschlossen nach Hause. Als ob die Musik von Benjamin Britten 80 Jahre nach der Uraufführung von «Peter Grimes» noch anecken würde. Oder empört im 21. Jahrhundert ernsthaft das moralisch Graue? An der Umsetzung kann dieser Unmut nicht liegen. Robin Davis, der neue GMD der Bielefelder Philharmoniker, zeigt, dass Britten...
