Alles auf Anfang?

Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen und für zu leicht befinden, die wir Lügen entlarven, Missverständnisse analysieren, demokratische Rechte und Räume verteidigen, wenn wir jetzt nicht zeigen, warum es auch uns braucht, dann werden wir nicht überleben.

»

Wer schert sich darum? Immer noch stehen die Theater, die Opernhäuser und Konzertsäle im Zentrum der Städte, deren öffentliche Kassen sie finanzieren – stolze Baudenkmäler einer Idee von Relevanz der Kunst, die noch lange nicht wieder gefüllt ist. So wenig wie die Häuser selbst, die immer noch weit von der einstigen Bedeutung als soziale Orte entfernt sind. Länger als ein halbes Jahr, noch schlimmer als in der vorangegangenen Saison, führte die Politik vor, wie egal ihr die Kunst ist. Und kaum darf sie wieder zumindest ein bisschen sein, die Kunst, machen alle genau dort weiter, wo sie aufgehört haben. ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 135
von Egbert Tholl («Süddeutsche Zeitung», München)

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