Immer diese Kronleuchter
Das ist ein mutiges Unterfangen für ein mittelgroßes Theater. Ulm hat es gewagt und Donizettis Tudor-Trilogie innerhalb von drei Spielzeiten auf die Bühne gebracht. Anthony Pilavachi sollte nicht nur «Anna Bolena» zum Auftakt 2024 inszenieren, sondern ursprünglich alle Königinnen-Dramen. Aus Dispositionsgründen waren nun drei verschiedene szenische Handschriften zu erleben.
Die Lesart der Regisseurin Annette Wolf erweist sich zum Abschluss mit der Tragedia lirica «Roberto Devereux» nicht eben als die alleroriginellste.
Immerhin steht sie dem unbefangenen Zuschauer nicht mit irgendwelchen Konzepten im Wege, die Eifersuchtsgeschichte umstandslos zu verstehen. Roberto, der Ex-Lover der englischen Königin Elisabeth I., liebt die Frau seines besten Freundes, des Herzogs von Nottingham, der zwar irgendwie ahnt, dass bei seiner Sara was nicht stimmt – aber als er die Zusammenhänge durchschaut, bringt er den best buddy aufs Schafott, worüber die Queen, durchaus bereit zu verzeihen, den Verstand verliert. Das ließe sich eleganter umsetzen. Und geschmackssicherer. Wenn die Königin Devereux fragt, ob er sie noch liebe und er – mal nicht feige, wie Männer gern sind – schlicht «Nein» sagt, ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Götz Thieme
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb...
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault wollten mit der Erfindung der Tragédie en musique, der gesungenen Tragödie, dem klassischen Versdrama Corneilles und Racines ein Gesamtkunstwerk aus Wort und Ton, Gesang und Tanz zur Seite stellen – erstmals mit «Cadmus et Hermione» 1673, dem dann bis zu Lullys Tod 1687 Jahr für Jahr ein neues folgte....
Zur Schweiz gehört, dass das Volk über alles Mögliche abstimmen kann. Warum also nicht auch einmal über den Ausgang einer Oper? Konkret fragt das Luzerner Theater sein Publikum, ob Carmen am Ende sterben soll. Aber wer stimmt heute schon für einen Femizid? Dennoch sollen sich in der besuchten Vorstellung 38 Prozent (!) für Carmens Tod ausgesprochen haben. Carmen...
