Aus Fleisch und Blut

Spektakulär: Alexis Kossenko dirigiert Lullys «Atys»

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Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault wollten mit der Erfindung der Tragédie en musique, der gesungenen Tragödie, dem klassischen Versdrama Corneilles und Racines ein Gesamtkunstwerk aus Wort und Ton, Gesang und Tanz zur Seite stellen – erstmals mit «Cadmus et Hermione» 1673, dem dann bis zu Lullys Tod 1687 Jahr für Jahr ein neues folgte. Außerhalb Frankreichs sind diese Stücke, selbst Meisterwerke wie «Alceste» und «Armide», nie heimisch geworden.

Das gilt auch für den 1676 uraufgeführten «Atys», die «Oper des Königs», für die Ludwig XIV. eine besondere Vorliebe zeigte. In keiner anderen Oper Lullys steht die Deklamation des Textes und damit das verwirrende menschliche Drama so im Zentrum wie in diesem kompromisslos intimen Liebesdrama, das mit dem Tod von Sangaride und Atys endet. Der Monolog, in dem die eifersüchtige Göttin Cybèle reuevoll die eigene Schuld eingesteht, verklingt im Pianissimo, die abschließende Totenklage der Gottheiten des Wassers und der Wälder besitzt die erschütternde Lakonik eines antiken Dramas. «Atys» ist Lullys erste Oper, die kein lieto fine kennt und düster schließt. Selbst der Prolog, der Ludwig XIV. huldigt, mündet in einen ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 34
von Uwe Schweikert

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