Im Westen nichts Neues
Eine Ansage vor dem geschlossenen Vorhang verheißt selten etwas Gutes. In Essen muss die neue Intendantin Merle Fahrholz vor der Premiere von «Lucrezia Borgia» gleich mehrere krankheitsbedingte Umbesetzungen verkünden, darunter auch die zweier tragender Partien: Anstelle von Jessica Muirhead übernimmt Marta Torbidoni die Titelrolle, und statt Almas Svilpa verkörpert Davide Giangregorio deren Gatten Don Alfonso.
Glück im Unglück: Immerhin kennen sich beide und Tenor Francesco Castoro, der Darsteller von Lucrezias Sohn Gennaro, aus einer Produktion am Teatro Comunale di Bologna im März 2022.
Tatsächlich geht der Abend musikalisch trotz der Besetzungsturbulenzen unter der straffen, inspirierten Leitung des designierten Generalmusikdirektors Andrea Sanguineti unfallfrei über die Bühne. Sanguineti dirigiert nachgiebig, vermeidet allzu plakative Effekte (mit denen Donizettis Partitur reich gesegnet ist), geht aber verständlicherweise nicht ins Risiko. Gesanglich bleiben vor allem die Einspringer ihren hoch anspruchsvollen Partien nichts schuldig; ein echtes Belcanto-Hochgefühl will sich jedoch nicht einstellen. Torbidonis Lucrezia klingt zunächst unfokussiert, später routiniert und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Regine Müller
Leoš Janáček hat es den Regisseuren seiner Bühnenwerke wahrlich nicht leicht gemacht. Da verschlägt es einen gewissen Herr Brouček mal eben auf den Mond oder es wechselt die Hauptfigur, wie in der «Sache Makropulos», permanent ihren Namen (und die Jahrhunderte gleich dazu). Die größte Herausforderung jedoch stellt «Das schlaue Füchslein» dar: Hier sieht die...
arte
01.01. – 17.55 Uhr Live aus dem Teatro La Fenice
Seit bald 20 Jahren heißt das Gran Teatro La Fenice in Venedig das neue Jahr mit einem bunten Strauß von Opernarien willkommen. Giuseppe Verdi hat alljährlich einen Ehrenplatz im Programm. Traditionell serviert das Orchester des Hauses den Gefangenenchor aus «Nabucco» und das «Brindisi» als Bouquet final. In...
Altmeister
Wer glaubte, Jossi Wieler würde sich nach Ende seiner Zeit als Intendant der Staatsoper Stuttgart erst mal ausruhen, sah sich schnell getäuscht. Von Bühne zu Bühne, von Stück zu Stück hastet der renommierte Regisseur, im Schauspiel, in der Oper. Auffällig ist dabei eine Neigung zu zwei absoluten Antipoden: da Elfriede Jelinek, dort Richard Wagner. Ein...
