Dialektisches Denken hilft
Damit sie einst besser wissen würden, aus welchen Vergangenheiten sie stammten», hat Frank Schneider diese Erinnerungen für Kinder und Enkel aufgeschrieben – und im Erzählen über 500 Seiten eine Intonation durchgehalten, von der sich eine gewisse Wahrheitsgarantie nicht trennen lässt.
Das sei vorweg gesagt, weil jede Autobiografie ein verfängliches Genre, ein in Goethes Worten «immer bedenkliches Unternehmen» ist, der in der seinigen mitten im Stoff steckengeblieben ist und eine sybillinische, unterschiedlich verstehbare Betitelung wählte: Wie viel «Dichtung», wie viel «Wahrheit» kommt zustande, wenn der Schreibende Objekt und Subjekt zugleich, der Weg zwischen persönlich befangenen Wertungen und defensiver Apologie kurz, er auf eine Unmenge von präzis Erinnertem angewiesen ist? Zumal, wenn 80 Jahre eines, vorsichtig gesprochen, abwechslungsreichen Lebens hinter einem liegen?
Nach einem Studium erst der Kapellmeisterei, dann der Musikwissenschaft war Schneider seit 1968 im damaligen Institut für Musikforschung in Berlin tätig, danach vier Jahre als Assistent im Institut für Musikwissenschaft der Humboldt-Universität, ab 1975 fünf Jahre Dramaturg an der Komischen Oper, danach 12 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Peter Gülke
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
In der Semperoper bei Allesandro Rollas Bratschenkonzert, gespielt von Tabea Zimmermann.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Im Berner Jura, mit Blick auf den Bielersee.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ich liebe Proben. Wenn es mal hakt, freuen sich alle über eine Prise Humor. Wenn es in mir hakt, mache...
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise,...
Frau Signeyrole, lieben Sie Camus?
Natürlich liebe ich ihn! Meine Mutter stammt – wie er – aus Algerien. Und sie hat ihre Abschlussarbeit in Literatur über Camus geschrieben. Auch ich kenne seine Bücher sehr gut, und schon als Jugendliche habe ich über Herkunft und Erinnerung nachgedacht, Themen, die Albert Camus ein Leben lang faszinierten – was auch ein Grund...
