Dialektisches Denken hilft
Damit sie einst besser wissen würden, aus welchen Vergangenheiten sie stammten», hat Frank Schneider diese Erinnerungen für Kinder und Enkel aufgeschrieben – und im Erzählen über 500 Seiten eine Intonation durchgehalten, von der sich eine gewisse Wahrheitsgarantie nicht trennen lässt.
Das sei vorweg gesagt, weil jede Autobiografie ein verfängliches Genre, ein in Goethes Worten «immer bedenkliches Unternehmen» ist, der in der seinigen mitten im Stoff steckengeblieben ist und eine sybillinische, unterschiedlich verstehbare Betitelung wählte: Wie viel «Dichtung», wie viel «Wahrheit» kommt zustande, wenn der Schreibende Objekt und Subjekt zugleich, der Weg zwischen persönlich befangenen Wertungen und defensiver Apologie kurz, er auf eine Unmenge von präzis Erinnertem angewiesen ist? Zumal, wenn 80 Jahre eines, vorsichtig gesprochen, abwechslungsreichen Lebens hinter einem liegen?
Nach einem Studium erst der Kapellmeisterei, dann der Musikwissenschaft war Schneider seit 1968 im damaligen Institut für Musikforschung in Berlin tätig, danach vier Jahre als Assistent im Institut für Musikwissenschaft der Humboldt-Universität, ab 1975 fünf Jahre Dramaturg an der Komischen Oper, danach 12 ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Peter Gülke
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Erl ist im November ein stiller Ort. Hotels machen Pause, die Gaststätten bleiben dunkel, auf den Wiesen rund ums Festspielhaus schauen bloß die Kühe neugierig und läuten mit ihren Halsglocken. Drinnen aber herrscht emsiger Betrieb. Das Klangforum Wien erarbeitet die Uraufführung eines Werks mit dem klangvollen Namen «Amopera» (und dem Untertitel «dystopische...
