Im Sturm des Schicksals
Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als Wiedergeburt der antiken Tragödie aus dem Geist des Musiktheaters.
Orff hat in diesen beispiellosen Werken so gut wie alles negiert, was man bis dahin mit dem Begriff Musik verband, Harmonie und Melodik zugunsten einer Apotheose des Rhythmischen verabschiedet. Was er anstrebt, ist ein kultisches Theater, das ohne Kürzung und ohne Eingriffe in den Text ganz der Präsenz des dichterischen Worts dient. Er knüpft dabei unmittelbar an Hölderlin an, der in den Anmerkungen zu seiner «Antigonae»-Übersetzung geschrieben hatte: «Das griechischtragische Wort ist tödlichfaktisch, weil der Leib, den es ergreifet, wirklich tötet.»
Diesen «Mord aus Worten» realisiert Orff durch eine affektiv gesteigerte Stimmbehandlung, die über zahllose, in der Partitur aufs Genaueste notierte deklamatorische Abstufungen vom rhythmisch skandierten Sprechen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zweiundzwanzig Bühnenwerke Mozarts auf dreiunddreißig DVDs, aufgezeichnet in dreiundfünfzig Tagen – ein Marathon, der sich so schnell nicht wiederholen dürfte. Die Salzburger Festspiele lieferten im Sommer 2006 die Aufführungen dazu. Dass das Ergebnis nicht bloß Masse, sondern auch audiovisuelle Klasse bietet, ist der aufwändigen Aufnahmetechnik zu verdanken:...
Zu den wichtigsten Aktivposten der Ära Zehelein an der Stuttgarter Staatsoper gehörte die 1997 institutionalisierte «Junge Oper», deren Absicht es ist, Kinder und Jugendliche spielerisch an das Musiktheater heranzuführen. Albrecht Puhlmann hat die Einrichtung seines Vorgängers übernommen. Barbara Tacchini, die neue Leiterin des kleinen Teams, lässt alles beim...
Kurz vor den Proben zu Francesco Cavallis «Giasone» an der Oper Frankfurt ist die Regisseurin Anouk Nicklisch unerwartet verstorben. Im Gespann mit dem Intendanten Georges Delnon und häufig auch mit dem Bühnenbildner Roland Aeschlimann hatte Nicklisch am Stadttheater Koblenz sowie am Mainzer Staatstheater zahlreiche eigenwillige Inszenierungen erarbeitet: Mozarts...
