Im Schatten des Palio

Eine Barockentdeckung und eine neue «Faust»-Oper: Sabine Radermacher über die Settimana Musicale in Siena

Opernwelt - Logo

Wie jeden Sommer machte in Siena auch in diesem Jahr vor allem der «Palio» die Musik, ein Pferderennen mitten in der Stadt, auf der Piazza del Campo. Mit beeindruckenden Sieges- und Schmähgesängen feierten die Bewohner des Stadtteils Nobile Contrada dell’Oca (zu deutsch: das Viertel der Gans) den Triumph «ihres» Jockeys Giovanni Atzeni und seines Hengstes Mississippi beim ersten Lauf. Am 2. Juli hatte Atzeni das wohl kürzeste und härteste Pferderennen der Welt für sich entschieden.

Traditionell ist das jeweils siegreiche Viertel («Contrada») verpflichtet, bis zum zweiten «Palio» (am 16. August) so viele Gratis-Bankette zu veranstalten, wie es im Verlauf der bis ins Mittelalter zurückreichenden Geschichte des Wettkampfs Rennen gewonnen hat. Die grün beflaggten «Gänse» hatten seit 1900 20-mal die Nase vorn. Kurzum: Die meisten Seneser sind also mit anderem beschäftigt, wenn in ihren Mauern eines der ältesten, renommiertesten und interessantesten Musikfestivals Italiens stattfindet, die «Settimana Musicale Senese».
Zum 68. Mal krönte die Settimana nun die sommerlichen Meisterkurse der Accademia Musicale Chigiana (unter den Dozenten waren unter anderen Renato Bruson, Giuliano Carmignola ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Sabine Radermacher

Weitere Beiträge
Ein Whopper für Isolde

Angefangen hat es in Neustrelitz. An einem «lichten Sommertag» vor 14 Jahren. Irgendwie hatte es Ralph Bollmann in die ehemalige Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz verschlagen. Doch vom Schloss, aus dem die bis heute verehrte Preußenkönigin Luise stammte, ist nur ein Schotterplatz geblieben. Auch sonst fand der Historiker kaum Spuren aus einer Zeit,...

Epischer Klang

Wagners vierteiliges Bühnenfestspiel «Der Ring des Nibelungen» ist längst kein Privileg der großen Häuser mehr. Warum das so ist, erklärt der Lübecker Opernchef Roman Brogli Sacher ganz unbefangen so: «Als Dirigent bin ich glücklich, einmal im Leben diesen Zyklus gemacht zu haben.» Seine Kollegen denken ebenso, sagen es vielleicht nicht so offen. Eine Aufführung...

Archaik und Wissenschaft

In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...