Musik als Drama

Baden-Baden | Sommerfestspiele | Mozart: Don Giovanni

Opernwelt - Logo

Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das Festspielhaus Baden-Baden seine Sommerspiele eröffnete, ist solch ein Glücksfall. Und kann auch schon bald auf CD nachgehört werden. Überragendes Können trifft auf Musikalität, Leichtigkeit auf tiefen Ernst.

Das ist zunächst das Verdienst des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der schon bei der vom Mahler Chamber Orchestra vital, aber nicht überhitzt gespielten Ouvertüre zeigt, dass er kein Mann oberflächlicher Effekte ist. Die dynamischen Kontraste krachen nicht aufeinander, sondern werden vermittelt. Die Streicher zu Beginn spielen senza vibrato, ohne dabei scharf zu klingen. Der Kanadier antizipiert alle musikalischen Abläufe. Er modelliert das Detail, lässt die Musik vom Orchester so genau artikulieren, dass sie zur verständlichen Sprache wird – mit Frage- und Ausrufezeichen, mit selbstbewussten Bestätigungen und plötzlicher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Georg Rudiger

Weitere Beiträge
Aus dem Vollen

Messiaen und Mozart, Srnka und Krétakör – das macht: zwei große Premieren, zwei neue Kammeropern. Dazu, in fünf Festspielwochen, zwölf Werke des Repertoires, einschließlich der Neuproduktionen der Saison, Ballett, Konzerte, Liedrecitals, «Oper für alle», Jugendprogramme, die kunstintellektuellen Zugaben mit Film- und Medienkunst, Ausstellungen, Lectures. Das größte...

Französisches Barockglück

Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...

Verführung mit Abstrichen

Aus dem Steinbruch von St. Margarethen nahe Wien holten schon die Römer das Baumaterial für ihre Siedlung Carnuntum; später wurde mit dem dort gebrochenen Sandstein auch der Wiener Stephansdom gebaut. Mitte der 1990er-Jahre entdeckte man das Areal fürs Musiktheater und hält sich seitdem recht eng ans erweiterte Opern-ABC: «Aida» und «Carmen» kamen bereits mehrmals,...