Im Puppenhaus
Seit geraumer Zeit wird in ambitionierten Opernaufführungen die Ouvertüre zum Anlass für stumme Kommentare, Hintergründe oder Rückblenden genommen. Die als Einstimmung und Vorstellung der wichtigsten musikalischen Themen gedachte Musikstrecke sieht sich umfunktioniert zur Tonspur eines Stummfilms. Man ist schon fast irritiert, wenn, wie jetzt in Wuppertal, der Vorhang einfach mal unten bleibt und die Musik das Wort führt.
Zum Ende der Ouvertüre, die Johannes Witt mit Schwung und Sentiment dirigiert, geschieht dann aber doch noch etwas: In weißer Frakturschrift leuchtet der Titel der Oper auf, wird aber alsbald überblendet vom Schriftzug «Marguerite», bis er schließlich darunter ganz verschwindet.
Damit ist unschwer zu verstehen, dass Regisseur Matthew Ferraro, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, die Gretchentragödie in den Mittelpunkt seiner Interpretation stellt. Wenn man es denn Interpretation nennen will, was der amerikanische Regisseur, der in seinem Vorleben Tänzer an der New Yorker Metropolitan Oper und Choreograph war, in den folgenden gut drei Stunden auf die Bühne bringt. Ferraro inszeniert Gounods Oper ganz ohne Subtext oder Dekonstruktions-Absichten sozusagen vom ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Regine Müller
Der 17. Juni 1949 war einer jener Tage, den wohl keine Sängerin, die je die Rolle der druidischen Priesterin verkörpert hat, wird vergessen können. An diesem mild-warmen Sommertag stand im Teatro Colón zu Buenos Aires die (Musik)Welt für einen Moment still, atemlos staunend. An der Seite von Fedora Barbieri, Mario del Monaco und Giulio Neri sang Maria Callas die...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
Mach dich doch selbst kaputt, bevor es jemand anders tut!», heißt es in einem Song des Punk-Pioniers Dieter «Otze» Ehrlich. Er selbst beherzigte dieses Motto bis zum Exzess. Vor 20 Jahren starb der Bandleader von «Schleimkeim» an Herzversagen. Sein früher Tod ist der tragische Schlusspunkt einer lebenslangen Rebellion. 1964 im Erfurter Ortsteil Stotternheim...
