Mit glücklicher Hand
Zu den ambitioniertesten Aufnahmeprojekten der jüngeren Zeit gehört die Gesamteinspielung all jener Werke Antonio Vivaldis, deren Handschriften vor gut hundert Jahren in den Besitz der Biblioteca Nazionale Universitaria in Turin gelangten: Es sind nicht weniger als rund 90 Prozent aller bekannten Autographen des Komponisten. Neben fast 300 Konzerten und zahlreichen kirchenmusikalischen Werken umfasst diese Sammlung, von der wesentliche Impulse für die Wiederentdeckung des Kompo -nisten im 20. Jahrhundert ausgingen, auch den Großteil der überlieferten Opern Vivaldis.
Von denen wurden bereits 19 für die Vivaldi-Edition des Labels Naïve produziert. Fortgesetzt wird die Reihe jetzt mit «Arsilda, regina di Ponto», einer Oper, die 1716/17 zwar mit großem Erfolg in Venedig lief, dann aber von keinem anderen Theater mehr nachgespielt wurde.
Der Librettist Domenico Lalli griff für sein Dramma per musica nicht wie üblich auf bekannte Mythen oder historische Ereignisse zurück, sondern erfand eine eigene Geschichte der Irrungen und Wirrungen rund um Arsilda, die fiktive Königin von Pontus. Tamese, König des benachbarten Reiches Kilikien, will sie heiraten, ist aber seit einiger Zeit ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Thomas Seedorf
Man nehme eines der zahlreichen Shakespeare-Stücke – in diesem Falle «Viel Lärm um nichts» –, streiche den Hauptstrang des dramatischen Plots, den Scheintod der schönen Hero und ihre glückliche Wiederauferstehung, konzentriere sich auf die beiden Nebenfiguren Béatrice und Bénédict, beide angeblich Liebes- und Eheverächter, die durch eine Intrige dann zum...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn....
