Als wär's ein Stück von heut'
Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen Jahren der Doppeldeutigkeit einer überlebensgroßen Bronzeplastik am Ende einen Namen gegeben: «Castor & Pollux». So benannt nach dem Brüderpaar der griechischen Sagenwelt.
Ihn um eine Bühnengestaltung zu bitten, erscheint für ein Staatstheater wie jenes in Meiningen, das immer wieder auf die Mitarbeit bildender Künstler setzt, nur folgerichtig. Und Sir Tony, obwohl bald 76 Jahre alt, hat sich willig der Herausforderung gestellt und im engen Verein mit Verena Hemmerlein erstmals einen Raum entworfen, der Rameaus Oper «Castor et Pollux» aus ihrer mythischen Verankerung löst und der Phantasie freien Lauf lässt. Im ersten Akt sind es noch projizierte Zeichnungen, vielsagende Ornamente und Farbstrahlen, die einen unversehens in die Geschichte von Bruderliebe, Tod und Verklärung hereinholen. Erst im zweiten Akt kommen die ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Grisélidis» aus dem Jahre 1901 steht im Schatten vieler bekannterer Opern aus Massenets Feder. In der Tat scheint diese «Conte lyrique», also: «lyrische Erzählung», mit ihrem ins Mittelalter projizierten Traumbild von ehelicher Treue so überzeichnet, mit der Fokussierung auf den unbedingten Gehorsam der Ehefrau so altväterisch, dass schon vergangene Generationen...
Sie können sich aussuchen, wo Sie sitzen wollen. Es ist leider sehr schlecht verkauft», sagt die Platzanweiserin und weist bedauernd auf die spärlich besetzten Reihen des Mecklenburgischen Staatstheaters. Eines steht fest: Mit der aktuellen Produktion von Ethel Smyths Oper «Strandrecht» (die im französischsprachigen Original «Les Naufrageurs» heißt und heute meist...
Der 17. Juni 1949 war einer jener Tage, den wohl keine Sängerin, die je die Rolle der druidischen Priesterin verkörpert hat, wird vergessen können. An diesem mild-warmen Sommertag stand im Teatro Colón zu Buenos Aires die (Musik)Welt für einen Moment still, atemlos staunend. An der Seite von Fedora Barbieri, Mario del Monaco und Giulio Neri sang Maria Callas die...
