Im Innern einer Kamera
«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley und dem Darsteller des Tadzio – Laurenz Johannis Leky – zum Leuchten, aber nichts um sie herum.
Schon vorher wollte Aschenbach diesen Tadzio im Foto festhalten und zerriss dieses Dokument doch gleich, freilich nur, um es in seinem Notizbuch bis zum Ende aufzubewahren.
Bei Keith Warner hat dieser Moment weit reichende Folgen einer umfassenden symbolischen Deutung: Den ganzen Abend über bewegen zwölf Statisten wie aus dem japanischen Theater ein Gehäuse, das den Verstrebungen einer alten Kamera gleicht – ins Riesenhafte vergrößert und auf einer Seite mit durchsichtiger Gaze verbunden. Im zweiten Teil wird diese Kamera – in ihre Bestandteile aufgelöst – zu Bilderrahmen für verschiedenste Schauplätze. Wenn sich aber im Hintergrund der Rundhorizont öffnet, dann blendet nur grelles, gesichtsloses Weiß den Zuschauer. Erst am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Aufführungen an deutschen Theatern kommt....
Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Librettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer...
Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem...
