Im Herzen der Stadt
Sinn für Symbolik hat sie. Nach elf Jahren Intendanz verlässt Barbara Mundel das Freiburger Theater. Ihre letzte Premiere, Mozarts Opernfragment «Zaide» in der Ergänzung durch Chaya Czernowin, wurde in Salzburg just zu jenem Zeitpunkt uraufgeführt, als sie ihr Amt im Schwarzwald antrat. Die Liebe des mozartischen Paares kann sich nicht erfüllen, weil es in muslimischem Feindesland festgehalten wird. Czernowin setzt die unmögliche Liebe einer Israelin und eines Palästinensers daneben.
Wie politisch das Theater Mundels ist, zeigt die Tatsache, dass sie Czernowin einen Chor in das Stück hineinkomponieren ließ: Er repräsentiert die Gesellschaft, die das Scheitern des Menschlichen verantwortet.
In Freiburg war die «Oper» Teil eines umfassenden Konzepts. Mundels Theater will hineinwirken in die Gesellschaft: «Heart of the City», so steht es in großen Leuchtreklamelettern auf dem altehrwürdigen Bau – der Stadtseite zugewandt. Die Frage nach der offenen Gesellschaft war in den letzten Jahren zentral: «Wie wollen wir zusammenleben? Wer entscheidet, wer hier leben darf? Können wir uns eine Alternative zum Kapitalismus vorstellen? Diese Fragen haben uns umgetrieben», so Mundel. Alle Sparten ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 108
von Thomas Rothkegel
«Mich nanntest du noch Wolf-Siegfried, mit deinen Töchtern Nike und Daphne warst du dann schon bei den alten Griechen.» Es ist Wieland Wagners Sohn, der diese Worte an seinen Vater richtet. Launige, hintergründige Worte, die beim Festakt auf den Punkt bringen, worum es geht. Wolf-Siegfried Wagner ist 1943 geboren. Da hat sein Vater die Bühnenbilder der Kriegs- und...
Das Theater Hagen hat auch in der nächsten Saison einen Spielplan. Nach dem kulturpolitischen Chaos der vergangenen Jahre ist das eine gute Nachricht. Es gibt weiterhin ein kleines Opern- und Ballettensemble, Verdis «Aida» wird zwar nur konzertant gespielt, dafür präsentiert das Haus mit Jony Talbots Einakter «Everest» sogar eine europäische Erstaufführung....
Der Boden schwankt. Da entgleitet etwas. Bereits im ersten Takt von Alban Bergs «Wozzeck» enthüllt die Partitur das Innerste dieser Oper: Zwei Akkorde in den Streichern, durch ein Glissando verbunden, bringen Form und Inhalt auf den Punkt. «Er macht mir ganz schwindlich», grantelt der Hauptmann wenig später zu Wozzeck, und genau diesen schwindelerregenden Wahn...
