Im Abendrot
Mag sein, dass Karl Gottlieb Lappe schon vor mehr als zweihundert Jahren das erlebte, was inzwischen als «Nahtoderfahrung» auch die Wissenschaft zunehmend beschäftigt. Der Schöpfer jenes Gedichts «Im Abendrot», das in Schuberts Vertonung so weithin berührt, endet mit der Zeile, «... und dies Herz, eh es zusammenbricht, trinkt noch Glut und schlürft noch Licht». Wobei ein glutvolles, allumfassendes Licht als unverzichtbarer Bestandteil solcher Erfahrungen oft erwähnt wird.
Indes mag freilich die Bemerkung, das Herz schlürfe dies noch, eh’ es zusammenbricht, auf die materialistische – ergo naturwissenschaftlich auch heute noch übliche – Haltung verweisen, derartige Äußerungen eines vermeintlich immateriellen Bewusstseins seien letztlich doch dem materiell lebenswichtigen Hohlmuskel (und den von ihm abhängigen Gehirnströmen) zuzuschreiben.
Wie dem auch sei: Anna Lucia Richter und ihr multi-instrumentaler Begleiter Ammiel Bushakevitz stellen diesen Satz aus «Abendrot» als Motto über ihr neues Konzeptalbum, das sie kurz und prägnant «Licht» nennen. Indes geben sie sich natürlich nicht mit dem elektromagnetischen Grundspektrum zufrieden, sondern spielen mit der physikalischen und ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Gerhard Persché
Puccinis «Tosca» firmiert in der italienischen Kapitale unter dem Rubrum «Lokaloper». Ein Wunder ist dies nicht, Handlungsorte und auch das Haus, in dem das Werk aus der Taufe gehoben wurde (das Teatro Costanzi), befinden sich allesamt in Roms Altstadt. Adolf Hohensteins Bühnenbilder und Kostüme für die Uraufführung anno 1900 leben in den zahlreichen...
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...
Anders als Schubert und Schumann hat der Liederkomponist Brahms keinen wirklichen Zyklus geschrieben, wenn man als Bedingung der Form eine lineare Dramaturgie voraussetzt. Am nächsten ist er ihr noch mit den «Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone» op. 33 gekommen. Die Texte der fünfzehn sukzessiv in den Jahren 1861 bis 1868 entstandenen und in fünf Einzelheften...
