Brillant
Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will.
Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende Höllenmaschine in Gang gesetzt: Ausgerechnet Aminta wird ihm als Ehefrau untergeschoben, die sich natürlich als alles andere als schweigsam entpuppt; zusätzlich treibt ihn die Truppe mit einem lärmend bösen Umer -ziehungsprogramm in den Nervenzusammenbruch.
Was Richard Strauss und sein Textdichter Stefan Zweig aus Ben Jonsons elisabethanischer Komödie «Epicoene or The Silent Woman» gemacht haben, war eigentlich schon im Uraufführungsjahr 1935 ein Beitrag zu einer Postmoderne avant la lettre: In einer Oper wird die Oper selbst zum Folterinstrument. Nach nur wenigen Vorstellungen wurde das Stück, das mittels Collage- und Zitattechniken eine Komödie aus alten Tagen in die Moderne geholt hatte, wegen des jüdischen Textdichters von der Bühne verbannt.
Mariame Clément inszeniert es nun am Badischen Staatstheater mit filmischer ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Bernd Künzig
Wahrscheinlich kann man in keiner Münchner Edelboutique das mintgrüne Ungetüm von Kleid nebst turmhohem Federbusch erstehen, das Andrew Watts als Prinz Orlofsky im zweiten Akt trägt. Erst recht nicht die gelb-rosa-silbernen Blumenhauben, Dekolletés, Zylinder, Perlenschnüre und falschen Bärte, die Klaus Bruns dem Chor der Bayerischen Staatsoper verpasst hat. Barrie...
Pergolesis heiteres Intermezzo «La serva padrona» schlug 1752 in Paris wie eine Bombe ein. Die davon ausgelöste «Querelle des bouffons», bei der es um die von Rousseau aufgeworfene Frage ging, ob man die französische Sprache überhaupt vertonen und singen könne, hielt das intellektuelle Paris in Atem. Es blieb einem Italiener, dem aus Parma kommenden Egidio Duni...
Herr Gerhaher, der Bühnenverein hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass Theater und Konzertsäle über 80 Prozent Auslastung melden, manche Häuser sprechen sogar von weit über 90 Prozent. Ist die Krise ist überwunden?
So etwas hört man. Die Frage ist nur, wie belastbar diese Zahlen sind. Es könnte ja auch bedeuten, dass viele kommen – aber manche nicht zahlen müssen....
