Brillant

Strauss: Die schweigsame Frau am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will.

Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende Höllenmaschine in Gang gesetzt: Ausgerechnet Aminta wird ihm als Ehefrau untergeschoben, die sich natürlich als alles andere als schweigsam entpuppt; zusätzlich treibt ihn die Truppe mit einem lärmend bösen Umer -ziehungsprogramm in den Nervenzusammenbruch.

Was Richard Strauss und sein Textdichter Stefan Zweig aus Ben Jonsons elisabethanischer Komödie «Epicoene or The Silent Woman» gemacht haben, war eigentlich schon im Uraufführungsjahr 1935 ein Beitrag zu einer Postmoderne avant la lettre: In einer Oper wird die Oper selbst zum Folterinstrument. Nach nur wenigen Vorstellungen wurde das Stück, das mittels Collage- und Zitattechniken eine Komödie aus alten Tagen in die Moderne geholt hatte, wegen des jüdischen Textdichters von der Bühne verbannt.

Mariame Clément inszeniert es nun am Badischen Staatstheater mit filmischer ...

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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Bernd Künzig

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