Zauber der Macht
Mozarts «Ascanio in Alba» fristet im gängigen Opernrepertoire eher ein Nischendasein. Bei der Frankfurter Erstaufführung erstrahlt das Bühnenwerk aus der Feder des 15-jährigen Komponisten in zeitgemäßem Design. Regisseurin Nina Brazier und Bühnenbildner Christoph Fischer siedeln die von Kaiserin Maria Theresia für die Hochzeitsfeierlichkeiten eines Sohnes in Auftrag gegebene Festa teatrale im spätmodernen Ambiente einer Stadtentwicklungsfirma an, was sich als Anspielung auf eine alte Habsburger Praktik lesen lässt: Landnahme durch Heirat.
Eine zitronengelbe Halbkugel, die bis unter das Dach des Bockenheimer Depots reicht, dominiert die Bühne – eine wuchtige Zentrale der Macht.
Aus dem Imperium mit der protzigen Balustrade und den getönten Fenstern (hinter denen eine verschwommene arkadische Landschaft aufscheint) gibt es kein Entkommen. Hier regiert Mutter Venus (Kateryna Kasper), die als despotische Chefin im königsblauen Businesskostüm die Fäden zieht. An ihr kommt keiner vorbei, das signalisieren schon die majestätischen Schulterpolster. Auch sängerisch lässt sich Venus ihre mit feurigen Koloraturen und prachtvollem Volumen unterstrichene hohe Stellung nicht streitig machen. ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Silvia Adler
Anders als Schubert und Schumann hat der Liederkomponist Brahms keinen wirklichen Zyklus geschrieben, wenn man als Bedingung der Form eine lineare Dramaturgie voraussetzt. Am nächsten ist er ihr noch mit den «Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone» op. 33 gekommen. Die Texte der fünfzehn sukzessiv in den Jahren 1861 bis 1868 entstandenen und in fünf Einzelheften...
Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort...
Der Dichter sprach. Und er sprach in höchsten Tönen – von einem Komponisten, dessen Œuvre nur einem engeren Expertenkreis wirklich grundlegend bekannt, dessen Rang auch deswegen in der Musikgeschichte bis heute umstritten ist. Für Marcel Proust, der in seinem Hauptwerk «À la recherche du temps perdu» hinlänglich seine Affinität zur Musik bekannte, bestand...
