«Ich wusste, dass ich das kann»
Mr. O’Neill, Sie singen sich gerade im Turbotempo durch das schwere Fach: Max und Florestan, Siegmund und Lohengrin, Samson und Otello – wird Ihnen da nicht manchmal schwindlig?
Ja, manchmal wache ich nachts auf und frage mich, ob das alles wirklich wahr ist. Aber es ist nun mal so. Die Karriere ist in den letzten zwei Jahren durchgestartet, und jetzt bin ich ein richtiger Opernsänger, der an all den Orten singt, von denen er fünf Jahre vorher nur träumen konnte. Ich habe gerade an der Deutschen Oper Berlin meinen ersten Cavaradossi in einer Repertoireaufführung hinter mir.
Natürlich ist das hart mit nur zwei Tagen Probenzeit. Aber man hat mir das angeboten, und ich wollte die Rolle unbedingt singen. So, where’s the problem?
Das gilt bei Ihnen sogar für den Otello, der für etliche Tenöre der Gipfel ihrer Laufbahn ist.
Ja, auch wenn es unglaublich klingt. Die Nacht zuvor hatte ich mit Antonio Pappano in Rom gesungen und anschließend Chianti getrunken, und als ich am nächsten Tag zurück in London war, kam die SMS von meinem Manager mit der Frage, ob ich nicht Lust hätte, morgen Abend Otello mit Colin Davis zu singen. Ich habe sofort ja gesagt, obwohl ich die Rolle kaum kannte. Ich hatte ...
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