Hundertfünfundzwanzig und tausend Jahre
Wenn zum Jubiläum eines Orchesters vier voneinander unabhängige Buchpublikationen auf den Markt kommen, muss es sich um einen besonderen Klangkörper handeln. Quod erat demonstrandum, sind es doch die Berliner Philharmoniker, die auf eine hundertfünfundzwanzigjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Viel mehr als ihren Anlass haben die Bücher allerdings kaum gemeinsam: Einem Bildband und einer Überblicksdarstellung stehen eine Detailuntersuchung und eine Gesamtdarstellung gegenüber.
Erstaunlicherweise stammt das schwächste Buch von dem erfahrensten Autor: Der Fotograf Dieter Blum hat das Orchester noch unter Herbert von Karajan verewigt und neuere Tournee-Schnappschüsse jetzt für ein coffeetable book arrangiert. Zu genau sollte man in dieser wahllosen Sammlung nicht blättern: Widrigenfalls entdeckt man etwa den Wiener Musikverein als «Festspielhaus» und die Wiener als Berliner Philharmoniker (so verwechselt sie Wolfgang Schäuble in seinem Gastbeitrag «Klassisches Glück in Berlin»).
Unter seinen Möglichkeiten bleibt auch Herbert Haffner, der nach einem kundigen Furtwängler-Porträt nun laut Untertitel «eine Biografie» der Berliner Philharmoniker vorlegt. Ohne Einleitung und ...
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Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
Nach Christof Loys eindrucksvoller Inszenierung von «Simon Boccanegra» in der letzten Spielzeit (siehe OW 7/2007) war die diesjährige Saisoneröffnung in Frankfurt mit Verdis «Don Carlo» eine herbe Enttäuschung. Regisseur David McVicar ließ sich von Brigitte Reiffenstuel aufwändig gestaltete historische Kostüme entwerfen und die solchermaßen herausgeputzten Figuren...
