Hohe Kunst in der guten Stube
Die schindelgedeckten Gasthäuser am Dorfplatz heißen «Krone» und grammatikalisch etwas kühn «Hirschen», das Altarbild in der Dorfkirche stammt von Angelika Kauffmann, die in Schwarzenberg einige Jugendjahre verbrachte. Nach der Malerin ist auch der Saal benannt, in dem die Schubertiade allsommerlich zwei Spielperioden veranstaltet. Umgebaut zuletzt 2001, mit Tannen- und Buchenholz der Region, zeigt er die Architektur, für die der Bregenzerwald überregional bekannt ist: eine aufs Wesentliche reduzierte, aber warme Moderne, die sich traditionsbewusst mit der Landschaft verbindet.
Der Blick durch die Fenster fällt auf satte Weiden und bewaldete Berge, die Akustik ist ebenso phänomenal wie die Aussicht.
An einem schönen Nachmittag im August lässt Andrè Schuen nicht viel Raum, Blicke schweifen zu lassen. Zu konsequent führt sein Liedrecital zum Themenfeld «Tod», genauer: zum Tod junger Menschen, ein zentrales Sujet für Franz Schubert. Über «Der Jüngling und der Tod» und den «Erlkönig» spinnen der Bariton und sein Pianist Daniel Heide den Faden subtil, aber unerbittlich zu Mahlers «Kindertotenliedern». Weiter zu Liedern Korngolds, der für sein jugendliches Komponistenalter ebenfalls ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Michael Stallknecht
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
Herr Ono, gibt es im Japanischen ein Synonym für das deutsche Wort «Systemrelevanz»?
Nein. Dennoch kann unsere Arbeit nicht existieren, ohne systemrelevant zu sein. Am New National Theatre Tokyo funktioniert das jedenfalls außerordentlich gut. Das Team harmoniert miteinander, alle Bereiche – der künstlerische, der technische wie auch der kommerzielle – arbeiten eng...
Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...
