Höllenfahrt am Horizont
Die Szene kennt man so auch aus Barrie Koskys wegweisender Inszenierung von Wagners «Meistersingern» bei den Bayreuther Festspielen.
Hermann Levi, der jüdische Uraufführungsdirigent des «Parsifal», wird vom Hofstaat des Komponisten gedemütigt: «Das Esszimmer der Wagners verzerrte sich in seinen Umrissen immer mehr und mehr zur bizarren Karikatur der Perspektiven eines Gemäldes, und seine rechtwinklige Form verschob sich vor seinem inneren Auge ins Schräge und Tiefe – derselbe Raum, in dem so viele geistvolle Gespräche stattgefunden, so viele Artigkeiten ausgetauscht, so viel Vertrauen geherrscht. Selbst die Bediensteten schienen höhnisch zu zischeln und sich in einem sonderbaren Ritual der Verachtung verschworen zu haben.» Wieder mal hat der Meister eine seiner antisemitischen Bomben platzen lassen, in Form eines Briefes, blöder Witze und dem bizarren Gedankengang, ob denn der jüdische Dirigent wohl das allerchristlichste Geheimnis seines letzten Werkes begreifen könne. All das ist historisch überliefert durch die boshaften Seiten in Cosima Wagners Tagebuch. Laurence Dreyfus hat es in seinem Roman «Parsifals Verführung» lediglich dokumentarisch literarisiert.
Auch an späterer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 24
von Bernd Künzig
Gute Nachrichten aus New York: Die Uraufführung von Kevin Puts’ Oper «The Hours» auf ein Libretto von Greg Pierce ist ein veritabler Erfolg. Der Komponist, der sich zuvor unter anderem mit Werken wie «Silent Night» (Minnesota Opera, 2011) und «Elizabeth Cree» (Pittsburgh, 2017) einen Namen gemacht hatte, legt mit seinem neuen Werk, dessen konzertante Premiere...
In Augsburg gibt es einige glänzende Räume: den Goldenen Saal im Rathaus, den kleinen Goldenen Saal des Jesuitenkollegs, in das Leopold Mozart zur Schule ging, den Festsaal im Schaezlerpalais, in dem Marie-Antoinette vor ihrer Hochzeit mit Ludwig XVI. eine Nacht durchtanzte. Sie alle blenden, obwohl aus unterschiedlichen Epochen, das Auge mit ihren Schnitzereien...
Wo ist die Bühne? Außen oder innen?», fragt der Schauspieler und Tänzer Nicolas Franciscus (auf Ungarisch) im Prolog zu Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» am Theater Basel. Christof Loy mag vor allem Bilder, die im Inneren des Betrachters entstehen. Deshalb meidet er auch in dieser Regiearbeit, einer Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid, ein allzu...
