Hochzeit im Wahn
Längst nicht alle Quereinsteiger bringen der Oper die erhoffte Blutzufuhr. Von Philipp Stölzl ist sie indes mehr und mehr zu erwarten. Seine dritte Inszenierung – nach dem Meininger «Freischütz» und dem arg frühzeitigen Salzburger «Benvenuto Cellini» – nährt die Neugier aufs Kommende. Bildertheater – einstweilen sein Markenzeichen – ist auch dieser Gounod’sche «Faust» in Basel. Und Rahmenerzählung.
Dieweil Faust, als grausträhniger Clochard an seinem Krankenstuhl verkabelt, mühsam seine Runden dreht, wird Marguerite, an einer Bahre festgeschnallt, einhergekarrt: so wie am bitteren Ende wieder, bevor ihr die finale Giftspritze verabreicht wird und Faust sich über ihrer Leiche krümmt. Bis dahin ist die Inszenierung dichter und dichter geworden. Auch wenn in der Winterlandschaft des zweiten Teils immer wieder der Eindruck entsteht, die Faust-Zwillinge – Mephisto ist auch hier eine Abspaltung, das dunkle Innere des Titelhelden – eilten, erst in Glitzeranzügen, dann in schweren Pelzmänteln (Kostüme: Ursula Kudrna), durch eine kaum verbundene Nummernrevue, durch ein Hit Hopping auf wackligen dramaturgischen Füßen.
Ein wesentlicher Pfeiler dieser Gounod-Deutung ist der Rekurs auf die ...
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Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichste, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg...
Johann Simon Mayr (1763-1845), einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit, war lange nur als Lehrer Donizettis ein Begriff. Die beispiellose Renaissance, die sein Schüler in den letzten fünfzig Jahren erlebte, hat auch das Interesse an Mayrs Werken neu entfacht. Aufnahmen seiner Opern «Medea in Corinto» und «Ginevra di Scozia» dürften zur...
Alceste, mon amour. Alceste, mio amore. Alkeste, meine Liebe. In welcher Sprache sie auch besungen wird: Wer an diese Frau denkt, muss unweigerlich ans «Fidelio»-Ende denken. Wer ein holdes Weib errungen, stimme in den Jubel ein. Bei Alkestis, der Königin, wie sie bei Euripides erscheint, ist es allerdings eher eine nach innen gewendete Freude, ein Sich-Verneigen...
