Nicht bloß an Verkaufszahlen denken
Als Konsumgut, das dem Publikum durch Momente etwas wert sei, die der Sache gar nicht wesentlich wären, werde es zu einem anderen als es selbst, hatte Adorno vor mehr als vierzig Jahren über das Phänomen Oper formuliert. Auf trivialer Ebene entspricht diesem Statement ein Cartoon, der 2005 anlässlich des Hype um Anna Netrebko bei der «Traviata» in Salzburg in einer Wiener Zeitung erschien: vor dem Fernseher ein Paar, der Mann im Unterhemd mit Bierflasche. Auf dem Bildschirm die sich verbeugende Crew. Sagt der Mann: «Das in der Mitte ist die Verdi.
»
Dass dies zugleich das Zielpublikum der Klassikabteilungen der Schallplattenfirmen sei, vor allem der Majors, gilt als ausgemacht, da diese selbst durch allerlei merkwürdige Projekte – wie etwa Prominente von Gorbatschow bis Harald Schmidt als Erzähler für Klassikmedleys einzusetzen – dieser Ansicht kräftig Nahrung geben. Erst kürzlich äußerte der vor allem als Liedsänger renommierte Bariton Matthias Goerne, er sei von Decca weggegangen, weil er eine Firma brauche, die nicht nur in Verkaufszahlen denke.
Die Schallplattenfirmen suchen diesen Vorwurf etwa durch dramaturgisch recht sorgfältig gebaute Programme der Recitals zu entkräften. So ...
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Irgendeinem höheren Opernspielplangeist muss vor einiger Zeit «so nach Tamerlan zu Mut» gewesen sein, wie es schon 1922 in dem frechen Nelson/Tucholsky-Chanson hieß. Wie sonst wäre zu erklären, dass Händels düster-meisterhafte Tyrannen-Oper von 1724 über den blutrünstigen Tartarenfürsten und seine grausamen Taten am Hof des unterworfenen Byzanz weltweit fast...
«Es war ein wirkliches Erlebnis meines Beobachterjahres, als ich das Diminuendo seines hohen C's in ‹Salut, demeure chaste et pure› hörte. Solange ich lebe, werde ich die Schönheit dieses Tons nicht vergessen.»
(Rudolf Bing, «5000 Abende in der Oper»)
Als Rudolf Bing auf die Erfahrungen seines langjährigen Opernmanagerlebens zurückblickte, beschrieb er den Sizilianer...
Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...
