Hochamt des Nihilismus
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der Willkürherrscher und Selfiesticks – die Verhaltensmuster sind die gleichen.
Im Opernhaus Zürich legt Calixto Bieito den Finger genau darauf, und er tut das so unbarmherzig, wie es seine Art ist.
Die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst hat ihm einen ovalen Laufsteg entworfen, von der Bühne über den Orchestergraben ins Auditorium und wieder zurück. Das schafft eine ungewohnte Nähe – die noch dadurch unterstützt wird, dass die Video-Einrichtung von Sarah Derendinger das Geschehen scharf heranzoomt und auf zweimal sieben Bildschirmen links und rechts im Raum vergrößert. Die Bühne selbst wird dominiert von einem steil ansteigenden Podest mit zusätzlichen Sitzplätzen sowie einer Mitteltreppe für Auf- und Abtritte.
Die Wirkungsmacht dieses Raumtheaters hat den Vorteil, dass das Egomane der Figuren in Monteverdis Oper krass zutage ...
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Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
