Bis die Puppen tanzen
Zweieinhalb pausenlose Stunden dauert die Vorstellung von Sergej Prokofjews «Spieler» im Antwerpener Opernhaus, und auf der Bühne gibt es nur Verrückte. Die Emotionen der Spielsüchtigen von Roulettenburg kochen permanent über. Deshalb fließt das bernsteingoldene Palm Royale bei der Premierenfeier danach wohltuend durch die Kehle. Auch Aviel Cahn, der Intendant der Flämischen Oper mit ihren assoziierten Häusern in Gent und Antwerpen, kommt im weißen Anzug eines Casinobesitzers an die Bar, aber er trinkt kein Bier, sondern behält einen kühlen Kopf.
In der übernächsten Spielzeit wird er nach zehn flämischen Jahren ans Grand Théâtre in Genf wechseln. Es hat sich herumgesprochen, dass der gebürtige Zürcher ein modernes Theater macht, dass er Experimente liebt, den Promifaktor geschickt, aber nicht oberflächlich einsetzt und sich auf eine Stadt, ihre Menschen, Schönheiten und Narben einlässt.
Diesmal erzählt Cahn von der Theaterregisseurin Karin Henkel, die er überzeugt hat, es zum ersten Mal mit der Oper zu versuchen. Vielleicht hat sie angebissen, weil Prokofjews Vorlage zum «Spieler» von Fjodor Dostojewski stammt; in Köln hat sie «Der Idiot», in Hamburg «Schuld und Sühne» auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Hauptberuf ist Berthold Seliger Konzertagent. Seit drei Jahrzehnten. Sein Geld verdient er mit Künstlern wie Lou Reed, Patti Smith oder Rufus Wainwright. Nebenbei meldet sich Seliger gern und häufig als scharfzüngiger Kulturkritiker zu Wort, der in Aufsätzen und Büchern gegen die Monopolisierung des Musikgeschäfts oder das «gebührenfinanzierte Staatsfernsehen»...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
Zweimal per annum – an ihrem offiziellen Geburtstag und zu Neujahr – verteilt Elizabeth II. allerhand Ehrungen. An die, die Großes, und die, die Gutes tun. Im Juni gab’s ein paar OBEs (Order of the British Empire) für diverse Instrumentalisten und Sänger, Bariton Simon Keenlyside schlug die Queen sogar zum Ritter. Jetzt muss ich ihn wohl Sir Simon nennen – doch...
