Musik in Aktion

Claudia Böttcher und Jovita Zähl vermitteln zwischen Stockhausen und Berio

Opernwelt - Logo

Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die Komponisten und die Sängerin Cathy Berberian, Berios damalige Frau, im Pausengespräch auf einem Parkplatz (im Hintergrund sieht man Luigi Nono).

Beide hatten einen siebten Sinn für die performativ-theatralische Dimension von Musik, beide experimentierten mit szenisch erweiterten Formen des Instrumentalvortrags, beide waren Pioniere der elektronischen Musik, beide suchten immer wieder nach unerschlossenen Ausdrucksmodi für die Stimme. Verdeckte, untergründige Beziehungen, denen man nun dank eines exemplarischen CD-Programms der Sopranistin Claudia Böttcher und der Pianistin Jovita Zähl nachspüren kann.

Da wird Stockhausens zwölfteiliger, auf Spieluhrmelodien beruhender «Tierkreis» (1974/75) in der Version für Sopran und Klavier mit Berios brillanter Vokalstudie «Sequenza III» (1965/66) kombiniert, jener für eine Frauenstimme ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Hell und dunkel

Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten...

Elf Personen suchen einen Stoff

Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...

Knock-Out mit Folgen

Terence Blanchards Opernerstling «Champion», im Juni von der Kompanie des Opera Theatre of Saint Louis uraufgeführt, ist ein musikalisch wie thematisch gleichermaßen ambitioniertes Werk. Gemeinsam mit dem Dramatiker und Filmemacher Michael Cristofer erzählt der berühmte Jazz-Trompeter, der als Komponist bis dato vor allem mit Film- und Theatermusiken in Erscheinung...