Heiter bis sonnig

Zum fünften Mal gastiert die Bayerische Staatsoper in Japan und bringt dort neben Wagner erstmals auch ein Händel-Opus auf die Bühne. Albrecht Thiemann hat das Geschehen beobachtet.

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Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti Salminen durch das Gewusel von Technikern, Choristen, Statisten und Stichwortgebern, die das szenische Geschehen draußen am Laufen halten.

Ein paar Minuten noch, dann wird er als Landgraf Hermann vor die rund zwei­tausenddreihundert Zuschauer treten. Plötzlich drückt ihm jemand eine Glaskugel in die Hand. Starren Blicks fixiert Salminen das Objekt und murmelt sein ganz persönliches Wetter-Orakel: «Wolkig bis heiter, siebzehn Grad.» Derweil tönt von den Brettern, die in Japan an diesem Abend die wahre Wagner-Welt bedeuten, der Pilgerchor: «Zu Dir wall’ ich, mein Jesu Christ.» Den Hobby-Propheten im Off interessiert mehr die profane Politsphäre im fernen Deutschland: «Frau Merkel ist immer noch nicht Bun­des­kanzlerin», tut er kichernd kund. Schon kommt das Zeichen zum vierten Auftritt. Im Nu schaltet Salminen auf ernst, ...

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Opernwelt November 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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