Beredte Kommunikationsstörung
Jan Müller-Wieland (39) reichert sein musiktheatralisches Schaffen mit einem neuen Stück an, das sich vom Genre Literaturoper abwendet. Im Auftrag des Theaters Bonn, das seine finanziell gefährdete Novitätenreihe «BonnChance» nur noch mit Hilfe des örtlichen Beethovenfests durchhalten kann, komponierte er den Einakter «Die Irre oder Nächtlicher Fischfang» nach bildnerischen Anregungen.
Dabei spielt weniger die Assoziation an Picassos frühes Gemälde «Nächtlicher Fischfang bei Antibes» eine Rolle als die Figurinenzyklen von Jan Schütte («Alte Freunde», «United Enemies», «Neue Geister»). Einige dieser skurrilen Gestalten setzte die Dramaturgin Micaela von Marcard in ein Libretto um, das kein Textbuch einer durchlaufenden Handlung ist, sondern eine Abfolge von Stichwörtern, die oft in die Nonsens-Sprache übergehen.
Im Zentrum steht die Beziehung zweier Menschen, wie alle anderen Figuren namenlos typisiert: Die Frau (die virtuose Julia Kamenik) und Der Mann (der belcantische Holger Falk). Die somnambule Frau geht nächtens weniger auf Fischfang als auf Kontaktsuche mit den von ihr gefütterten Tieren, was der von der Kommunikation ausgeschlossene Mann als Ärgernis empfindet. Der ...
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