Business oder Kunst?
Bis zu zweiundzwanzigtausend Zuschauer fasst die Arena di Verona, wenn man es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau nimmt. Diese Besucherzahl erreicht man allerdings nur in Ausnahmefällen, mit besonders zugkräftigen Werken. Interessant ist dennoch, dass die Arena bereits dann kostendeckend arbeiten kann, wenn lediglich eine Auslastung bis zu viertausend Zuschauern stattfindet. So etwas gibt es aber fast nie. Zehn- bis zwölftausend zahlende Gäste sind es eigentlich immer. Wenn also ein Open-Air-Spektakel zum gewinnträchtigen Geschäft geworden ist, dann ist es Verona.
Das gilt in diesem Jahr besonders für «Aida» und «Bohème», wobei nur die Letztere künstlerische Ansprüche erheben konnte. Ein Totalausfall war der ohne untere Lage agierende Giorgio Surian (Ramfis), Tichina Vaughn als Amneris brachte nicht annähernd eine ihrem Körpervolumen entsprechende Stimme ein – schlechte Voraussetzungen für einen «Aida»-Abend. Dazu kamen Unsauberkeiten im Orchester und überlange Pausen, weil etwas hinter der Bühne den geplanten Ablauf hinderte, ohne dass Informationen ans Publikum gegeben wurden. Nur zwei Lichtblicke: Der eine war Salvatore Licitra, ein Radames mit wunderschönem ...
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Wer hat nicht schon Mühe bekundet mit Strawinskys spätem Klassizismus? Wirken frühere Werke noch spritzig, funkeln dort die Anspielungen noch voller Spielwitz – in den Werken der Nachkriegsjahre wie der Oper «The Rake’s Progress» klingt Strawinskys Musik oft trocken. Dabei erscheinen die Arien und Duette im Korsett der tradierten Formen nicht selten zwanghaft. Umso...
Renato Capecchi war sechsundzwanzig Jahre alt, als er in Aix-en-Provence unter Hans Rosbauds Leitung seinen ersten Don Giovanni sang. Jahrzehnte später erzählte er mir, dass er, der Italiener, erst von dem deutschen Maestro gelernt habe, wie man italienische Secco-Rezitative richtig gestaltet. Doch die theatralisch ungewöhnlich lebendigen (klavierbegleiteten)...
«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine...
