Business oder Kunst?
Bis zu zweiundzwanzigtausend Zuschauer fasst die Arena di Verona, wenn man es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau nimmt. Diese Besucherzahl erreicht man allerdings nur in Ausnahmefällen, mit besonders zugkräftigen Werken. Interessant ist dennoch, dass die Arena bereits dann kostendeckend arbeiten kann, wenn lediglich eine Auslastung bis zu viertausend Zuschauern stattfindet. So etwas gibt es aber fast nie. Zehn- bis zwölftausend zahlende Gäste sind es eigentlich immer. Wenn also ein Open-Air-Spektakel zum gewinnträchtigen Geschäft geworden ist, dann ist es Verona.
Das gilt in diesem Jahr besonders für «Aida» und «Bohème», wobei nur die Letztere künstlerische Ansprüche erheben konnte. Ein Totalausfall war der ohne untere Lage agierende Giorgio Surian (Ramfis), Tichina Vaughn als Amneris brachte nicht annähernd eine ihrem Körpervolumen entsprechende Stimme ein – schlechte Voraussetzungen für einen «Aida»-Abend. Dazu kamen Unsauberkeiten im Orchester und überlange Pausen, weil etwas hinter der Bühne den geplanten Ablauf hinderte, ohne dass Informationen ans Publikum gegeben wurden. Nur zwei Lichtblicke: Der eine war Salvatore Licitra, ein Radames mit wunderschönem ...
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Nach Siegfried Matthus’ «Die unendliche Geschichte» in der Spielzeit 2003/2004 setzt das Theater Hagen nun seine Anvancen an die Jugend erfolgreich fort: Die neue Saison begann mit den beiden thematisch eng verwandten Einaktern «L’Enfant et les sortilèges» von Ravel und Oliver Knussens «Wo die wilden Kerle wohnen». Die Regie lag in den Händen Ricardo Fernandos und...
Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...
