Heikle Balance

Mit «The Great Gatsby» gab Wayne Marshall sein Debüt an der Semperoper. Der britische Organist, Pianist und Dirigent – seit der Spielzeit 2014/15 Musikchef des WDR Funkhausorchesters – ist Spezialist für amerikanisches Repertoire

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Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess» vorbereitete. Zufällig war die Partie des Bühnenpianisten Jazzbo Brown noch nicht besetzt. Ich spielte vor, bekam die Rolle und heuerte als Korrepetitor an.

Eines Tages bemerkte Simon: «Wetten, dass du in ein paar Jahren dirigierst?» Er erkenne das an meiner Art zu spielen. Geschickte Finger reichen ja nicht als Korrepetitor. Man braucht sinfonisches Gespür, muss das Orchester sein. So fing es an.

«Carmen Jones», «Porgy and Bess», «West Side Story», «Candide», «Mahagonny», «Dead Man Walking» – Ihr Opernrepertoire ist sehr spezifisch.
Dass ich bisher keine Mainstream-Stücke dirigiert habe – obwohl ich von «Tosca», «La Bohème» oder «Eugen Onegin» träume! – hat zum Teil damit zu tun, dass ich leider keine Fremdsprachen spreche. Aber vor allem haben mich die amerikanischen Klassiker schon immer fasziniert. Als ich acht war, ...

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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff

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