Hasenleber und Drachenschmerz

Was ist Pansori, was ist Changgeuk? Das Koreanische Nationaltheater und Achim Freyer geben in Wuppertal Antwort

Opernwelt - Logo

Wenn Madame hereingeschoben wird, ist die Wuppertaler Opernbühne schon fast voll. Knapp unter der Portalkante schwebt ihr zierlicher Kopf, ragt gerade noch sichtbar aus der tiefblauen Riesenrobe heraus, die ihr die Aura einer fernen Königin der Nacht verleiht. Doch diese wunderliche Majestät wünscht niemandem der Hölle Rache an den Hals, sie erzählt vielmehr eine uralte Geschichte, die in Korea früher jedes Kind kannte. Die Geschichte vom Hasen, der seine Leber hergeben soll, damit der kranke Drachenkönig im Meer wieder gesund wird.

Nur eine Hasenleber könne den König vor dem Tod bewahren, behauptet der Medizinmann. Doch kein Untertan aus dem Wasserreich will an Land gehen, um den Hasen zu holen. Der Goldbarsch nicht, die Alse nicht und auch der Frosch mit seiner Bauchtrommel nicht. Als sich endlich die Sumpfschildkröte auf die Reise macht und ihn mit fingierten Versprechungen ins Drachenreich lockt, dämmert Mister Rabbit, was da gespielt wird – und er führt seine Widersacher mit Witz, Intelligenz und grenzenloser Fabulierlust an der Nase herum. Nach und nach schlüpfen die menschlichen Tierfiguren aus Madame Pansoris Rockschoß, drollige Kinder ihrer blühenden Fantasie.

Wie alt die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Goodbye, Pfitzner

Als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts erlebt Hans Pfitzners zwischen 1909 und 1915 entstandener «Pales­trina» gerade wieder eine seiner periodischen Konjunkturen mit Neuinszenierungen in München/Hamburg, Frankfurt a. M. und jetzt Zürich. Pfitzners spätere Verstrickung in den Nationalsozialismus muss dabei nicht zwingend eine Rolle spielen. Die...

Die Tragödie des Altphilologen

Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...

Editorial, Februar 2012

Preise zu melden ist normalerweise eine Sache für den Info-Teil der «Opernwelt»-Hefte. Doch in diesem Fall müssen wir eine Ausnahme machen: Die Gesangsabteilung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ist mit dem «Hessischen Hochschulpreis für exzellente Lehre» ausgezeichnet worden. Sie erhält damit den höchstdotierten deutschen Hochschulpreis...