Goodbye, Pfitzner

Ingo Metzmacher und Jens-Daniel Herzog deuten in Zürich «Palestrina» höchst unterschiedlich

Opernwelt - Logo

Als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts erlebt Hans Pfitzners zwischen 1909 und 1915 entstandener «Pales­trina» gerade wieder eine seiner periodischen Konjunkturen mit Neuinszenierungen in München/Hamburg, Frankfurt a. M. und jetzt Zürich. Pfitzners spätere Verstrickung in den Nationalsozialismus muss dabei nicht zwingend eine Rolle spielen.

Die Auswertung seiner in den «Mitteilungen der Pfitzner-Gesellschaft» publizierten Spielpläne und seines Wirkens als Straßburger Stadtmusikdirektor 1907 bis 1918 hat mittlerweile gezeigt, dass er während der Arbeit an seinem Opus magnum weder chauvinistisch oder antisemitisch noch antimodern war. Er gedachte dort seit 1911 alljährlich des Todestages Gustav Mahlers mit Aufführungen seiner Sinfonien, setzte gegen den Widerstand antisemitischer und antifranzösischer Kreise die Aufführung von Werken jüdischer und französischer Komponisten bis hin zu Meyerbeer und Thomas unter eigener Leitung und die Aufnahme jüdischer und französischer Musiker am Konservatorium und im Orchester durch, er bemühte sich, «Pelléas» und «Elektra» herauszubringen, erteilte Debussy einen Kompositionsauftrag, holte Otto Klemperer an seine Seite und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Boris Kehrmann

Weitere Beiträge
Glück mit den Interpreten

Sie hatten sich gesucht und gefunden: der erfolgreiche Komponist und umtriebige Opern-Manager Gian Carlo Menotti und der nicht weniger umtriebige Weltklasse-Tenor Plácido Domingo, der später auch ein erfolgreicher Manager werden sollte. Sie waren verbunden durch das gemeinsame künstlerische Credo: Oper ist zum Singen da. Bei einem Abendessen während des Edinburgh...

Die Tragödie des Altphilologen

Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...

Despoten mit Herz

Für die Nachwelt bleibt der Name Gottlob Frick mit der deutschen Oper verbunden, mit Mozart, Beethoven, Weber, Lortzing und vor allem Wagner. Seine Glanzrollen in diesem Repertoire hat Frick in kompletten Einspielungen hinterlassen. Seine Lieblingspartie jedoch, Philipp in Verdis «Don Carlos», war bislang nur in Ausschnitten dokumentiert, was allein daran liegt,...