Harte Zeiten
Die Fans kamen zu Tausenden, wie jedes Jahr. Mehr als die Hälfte reiste aus dem Ausland an; bis nach Japan oder Neuseeland ist der Lockruf des Rossini Opera Festivals in Pesaro inzwischen vorgedrungen. Und doch stand die 32. Saison in der Geburtsstadt des Komponisten unter keinem guten Stern. Im Zuge politisch erzwungener Sparauflagen waren die Künstlergagen um 30 Prozent gekürzt, die Probenzeiten erheblich reduziert worden.
Vorbei die Zeiten, als kritische Werkausgaben auf der Bühne «enthüllt» wurden, die besten Rossini-Sänger sich die Klinke in die Hand gaben und Intendant Gianfranco Mariotti sowie der Künstlerische Leiter Alberto Zedda den Ehrgeiz hatten, das Programm nicht zuletzt mit markanten Regiehandschriften zu würzen.
Nur wenig war von diesem Geist beim Festival 2011 zu spüren: Während Graham Vick die Hauptfigur in «Mosè in Egitto» als Terrorfürst auftreten ließ und statt des Roten Meeres die Grenzmauer zum Gazastreifen zeigte (was ihm den Zorn des Oberrabbiners von Rom und auch sonst heftige Kritik eintrug), zitierte Pier’Alli in seiner Einrichtung von «Adelaide di Borgogna» alle möglichen Zeiten und Stile, wobei er ironisch auf das Risorgimento anspielte und jede Menge ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Carlo Vitali
Prinzipien haben sie an der Opéra national du Rhin. Eine Uraufführung pro Spielzeit soll es sein und mit ihr ein Beitrag zum «Musica»-Festival. Diesmal ging der Auftrag an Philippe Manoury, Jahrgang 1952. Er tat sich mit dem Librettisten Jean-Pierre Milovanoff zusammen. Heraus kam «La Nuit de Gutenberg», ein Werk, das in der Geschichte Straßburgs verankert ist....
Skurriler Saisonauftakt an der Bastille. Man wollte es besonders gut machen, bestellte bei Regie-Routinier Jean-Louis Martinoty eine neue Inszenierung des Gounod’schen «Faust» – nachdem die legendäre Produktion von Jorge Lavelli mehr als drei Jahrzehnte im Programm der Opéra national de Paris gewesen war. Und engagierte Roberto Alagna für die Titelrolle – in...
Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der...
