«Zur Besinnung kommen»

Die Kölner Oper bringt Prokofjews «Krieg und Frieden» in einer klug gekürzten Fassung – und gewinnt

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Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der nationale Abwehrkampf, seine Katastrophen und Umwälzungen, Niederlage und Rückzug der Franzosen, samt allen historischen und militärischen Faktoren, die zu diesem Geschehen beitrugen.



Nicht anders Prokofjew: Er hatte eigentlich im Sinn, den Roman auf den Kern der «privaten» Handlung zuzuspitzen – eine Liebesgeschichte als Abfolge «lyrischer Szenen» im Sinne Tschaikowskys. Hier war es der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941, der alle Pläne umwarf. Die Parallele der Kriegshandlungen drängte sich auf; Stalin verlangte patriotische Ansprachen und Chöre, die Prokofjew nach und nach in das Werk einführte – was die ohnehin beträchtlichen dramaturgischen Probleme dieses gigantischen Opernromans potenzierte.  Vollständig kam das Stück erst nach Prokofjews (und Stalins) Tod auf die Bühne. In beiden Fällen war es, als hätten ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Ingo Dorfmüller

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