Melancholie, mon amour
Am Anfang waren da nur die Töne. Töne wie Tropfen, die sich zusehends verdichteten, zu stahlummantelten, mikrotonalen Trauben. Aber schon bald kamen die Bilder hinzu, in denen sich Georg, trauriger Antiheld in Arnulf Hermanns hermetisch-verrätseltem Musiktheater «Der Mieter» (nach Roland Topors Roman «Le Locataire chimérique»), verlor: Bienek’scher Zellenbewohner, verschroben-kafkaeske Figur, verfangen im Wahn wie weiland Shakespeares König Leontes.
Und mit jeder Minute mehr, die man an diesem tief in der Erinnerung verankerten Novemberabend 2016 in der Frankfurter Oper verbrachte, verengte sich der Raum, wurde die Luft knapper, fiel das Poe’sche Pendel herab. Eine verstörende Erfahrung, die den Zuhörer gleichsam zwang, sich mit der Titelgestalt in eins gesetzt zu fühlen, ja, fast schon Teil seiner Weltinnenraumerfahrung zu werden.
Dass dieser Prozess der Metamorphose knapp zwei Stunden lang unaufhaltsam voranschritt, darin lag die große Kraft des Abends. Kunst verwandelte sich in Wirklichkeit, Wirklichkeit in Kunst. Im Grunde wusste man nicht mehr so ganz, wie man das eine vom anderen trennen sollte, weil sich die Bilder – einerseits die realen szenischen, andererseits die per ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger...
Herr Currentzis, am Opernhaus von Perm haben Sie das Privileg der völligen künstlerischen Freiheit genossen, sind aber kürzlich nach Sankt Petersburg gezogen, wo Ihnen im Grunde nur ein experimenteller Proberaum zur Verfügung steht – «Dom Radio». Fehlt Ihnen als überaus theatralischem Menschen, der Sie selbst noch in Ihren Konzerten sind, nicht der Duft des...
Alpha
03.04. – 21:45 Uhr
60 Jahre Münchner Rundfunkorchester Der Klangkörper, 1952 gegründet als zweites Orchester des «Bayerischen Rundfunks», hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten ein Profil entwickelt, das sich in der Orchesterlandschaft deutlich abhebt. Unter seinem derzeitigen Chefdirigenten Ivan Repušić bietet das Orchester eine große Programmvielfalt:...
