Da hinten wohnt das Idyll
Giorgio Strehler hatte einen Traum. Er träumte von einem Theater voller Schönheit, Freude, Musik, das nur durch «kleine Spritzer von Bitterkeit» irritiert würde, die aber rasch vergessen seien. Er träumte von einem «menschlicheren» Theater, das an die Welt gebunden ist, als Ganzes, im Guten wie im Bösen, im Bemühen wie im Kämpfen. Welt und Theater sollten, so Strehler in bester dialektischer Manier, als Erfahrung eines Einzelnen (oder auch mehrerer Individuen) durchaus als Kontrast sichtbar werden, aber zugleich eine Einheit bilden.
Dabei könne dieses Theater zur Veränderung des Theaters, der Welt und tausend anderer äußerer Fakten der Geschichte beitragen. 1955 traf Strehler in Mailand einen Mann, der ihm als geeignet erschien, die Imagos für ein solches Theater zu kreieren, zunächst nur in Form von Kostümen, dann aber bald auch in Form von Bühnenbildern: Ezio Frigerio. An der Accademia di Belle Arti di Brera hatte er Malerei studiert, an der Politecnico einen Blick auf die Kunst der Architektur gewagt (ohne allerdings dieses Studium zu beenden), um dann einige Jahre lang als Werbegrafiker und Buchillustrator sein Geld zu verdienen. Was Strehler zu diesem Zeitpunkt noch nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Otten
Luis de Pablo – im Januar 1930 in Bilbao geboren, am 10. Oktober 2021 in Madrid gestorben – konnte die Uraufführung seiner letzten Oper nicht mehr miterleben. Das Libretto von de Pablos Musiktheater «El Abrecartas» (»Der Brieföffner«), das heuer am Teatro Madrid aus der Taufe gehoben wurde, fußt auf einem Buch von Vicente Molina Foix aus dem Jahr 2006. Doch in der...
Am Anfang waren da nur die Töne. Töne wie Tropfen, die sich zusehends verdichteten, zu stahlummantelten, mikrotonalen Trauben. Aber schon bald kamen die Bilder hinzu, in denen sich Georg, trauriger Antiheld in Arnulf Hermanns hermetisch-verrätseltem Musiktheater «Der Mieter» (nach Roland Topors Roman «Le Locataire chimérique»), verlor: Bienek’scher Zellenbewohner,...
Es gibt viele Lieder, «die heute vergessen und abgetan sind», schreibt Thomas Mann 1930 in den Erinnerungen an seine Mutter und bricht eine Lanze für Eduard Lassen, «einen Musiker etwas süßlichen Geschmacks …, der es aber ein paarmal in Verbindung mit Heinrich Heine zu einer sensitiven Ironie des Ausdrucks bringt, die mir unvergesslich ist». Am Ende des 19....
