Nächtlicher Engelsgesang

Tora Augestad wandelt virtuos zwischen Klassik und Jazz

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Tora Augestad ist nicht zu fassen. Ein bisschen erinnert eine Begegnung mit ihrer Kunst an die Erkundung von Herzog Blaubarts Schloss: Mehrere «Türen» gibt es da, die man ganz behutsam öffnet, im Glauben, endlich auf den Schatz (oder zumindest auf irgendeine Erkenntnis) zu treffen, um dann doch jedes Mal ziemlich überrascht davon zu sein, was man in den Räumen selbst vorfindet. Und genau so ist es, wenn man diese außergewöhnliche Sängerin, ob auf der Bühne oder auf einem ihrer Alben, erlebt. Sie entzieht sich der Konkretion und auch der Gewissheit. Dabei ist sie immer die gleiche.

Und doch so viele.

Eines ist Tora Augestad, die Frau mit dem klandestinen Charisma, aber in jedem Fall: eine begnadete Performerin. Stimme, Körper und Geist bilden bei ihr eine Einheit, deren Ausstrahlung man sich selbst dann kaum entziehen kann, wenn sie ein Stück interpretiert, dessen Glanz sich in Grenzen hält. Wie zum Beispiel «As If The Law Is Everything» ihres Landsmannes Henrik Hellstenius. Allein der zugrundeliegende Text von Øyvind Rimbereid ist über weite Strecken eher ambitioniert als philosophisch fundiert. Mit Augestads vibrierend sinnlicher Jazz-Stimme aber wächst dieses musikdramatische ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Jürgen Otten

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