Großes Glück in Tanglewood
Wozu braucht Mimì einen Muff, bei 86 Grad Fahrenheit? Warum stopft der Dichter Rodolfo sein Manuskript in die gusseiserne Bullerofenatrappe, dass die Flammen hell aufschlagen, während ringsum ein Hitzegewitter aufzieht? Und wieso hat Andris Nelsons für diese einmalige konzertante Luxusaufführung von «La Bohème» in The Shed, an der er zuvor tagelang probte und feilte, so dass die saftigen Puccini-Leidenschaftsklänge bereits am hellen Vormittag weit und hoch hinausflogen über Wiesen und Wälder, Berg und Tal von Tanglewood Ground, eigens diese internationale Besetzung zusammengetrommelt
? Mit Franco Vassallo als idiomatisch perfektem Belcanto-Marcello, beweglich und schön? Mit Luca Pisaroni als süffisant-elegantem Colline, mit Kristīne Opolais als heroisch vibrierender Mimì? Es gibt auf all diese Fragen nur eine Antwort, sie hat zwei Silben, sie lautet: Bernstein.
«Celebrating Lenny at Tanglewood» ist derzeit das alles überwölbende Motto in den Berkshire Hills. Das legendäre Sommerfest des Boston Symphony Orchestra, gegründet 1937, kann mit Fug und Recht als Blaupause aller Klassik-Open-Air-Partys bezeichnet werden – und Leonard Bernstein gilt nicht nur hier an der Ostküste als der ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Eleonore Büning
Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...
Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets...
Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum...
