Neue Welt: Christian-Andreas Engelhardt (Candide); Foto: Jörg Landsberg
Goldballett
Es ist nicht eben die beste aller theatralen Welten, die Leonard Bernstein und sein Librettistenteam mit «Candide» auf die Bühne stellen: Das Stück ist undramatisch, episch, besteht aus einer Folge aneinandergereihter Bilder, die durch erklärende Sprechtexte miteinander verknüpft werden. Also eigentlich die ideale Vorlage für eine konzertante Aufführung – so, wie sie Bernstein seinerzeit mit einem fabelhaften Solistenensemble selbst eingespielt hat.
In Bremen versucht Regisseur Marco Štorman diese episch-konzertante Seite des Stückes nicht wegzuretuschieren, lässt die Handlung in den Erzählpassagen immer wieder anhalten, findet aber dann auch – zusammen mit Bühnenbildnerin Jil Bertermann und der Kostümdesignerin Bettina Werner – für die zentralen Spielszenen Bilder von verzaubernder optischer Fülle und Prägnanz.
Das Autodafé wird zu einem Ballett in Gold, angeführt von einem Großinquisitor, der wie eine Heiligenstatue ausstaffiert ist. In der «New World», in die Candide am Ende des ersten Aktes aufbricht, verwandelt er sich zu einem Astronauten, der mit Hilfe des spiegelnden Bühnenhintergrundes real zu schweben scheint. Das Land Eldorado, laut Libretto «even more beautiful than ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhart Asche
Dieser Vampir hat sein Opernpublikum lange auf sich warten lassen. Gut zehn Jahre ist es her, dass sich die Librettisten Claes Peter Hellwig und Kristian Benkö anschickten, Bram Stokers mehrfach verfilmten Roman «Dracula» (1897) für die Opernbühne einzurichten. Gemeinsam mit der seinerzeit frisch gebackenen Stockholmer Opernchefin Birgita Svendén beschlossen die...
Die junge Dame namens Psyche hat alles versucht: Liebespassion, religiöse Ekstase, sogar revolutionären Barrikadenkampf, aber am Ende erweisen sich sämtliche Leidenschaften als Illusion. Zuverlässig ist nur der Tod. Diese Art von idealistischem Defätismus ist durchaus typisch für das Polen nach der vorletzten Jahrhundertwende. Jedoch hüllte Jerzy Żuławski, der 1904...
Die herbstliche Sexismusdebatte hat es wieder einmal und leider sehr drastisch ans Tageslicht gezerrt: Die jahrtausendealte patriarchale Machtstruktur scheint ungebrochen, die Neigung, Macht zu missbrauchen, schier unausweichlich. Von Liebe wenig Spuren, stattdessen ein Bewusstsein, das die Frau herabwürdigt zum Objekt unkontrollierter Begierde. Männer und wahre...
