Neue Welt: Christian-Andreas Engelhardt (Candide); Foto: Jörg Landsberg

Goldballett

Bernstein: Candide Bremen | Theater am Goetheplatz

Es ist nicht eben die beste aller theatralen Welten, die Leonard Bernstein und sein Librettistenteam mit «Candide» auf die Bühne stellen: Das Stück ist undramatisch, episch, besteht aus einer Folge aneinandergereihter Bilder, die durch erklärende Sprechtexte miteinander verknüpft werden. Also eigentlich die ideale Vorlage für eine konzertante Aufführung – so, wie sie Bernstein seinerzeit mit einem fabelhaften Solistenensemble selbst eingespielt hat.

In Bremen versucht Regisseur Marco Štorman diese episch-konzertante Seite des Stückes nicht wegzuretuschieren, lässt die Handlung in den Erzählpassagen immer wieder anhalten, findet aber dann auch – zusammen mit Bühnenbildnerin Jil Bertermann und der Kostümdesignerin Bettina Werner – für die zentralen Spielszenen Bilder von verzaubernder optischer Fülle und Prägnanz.

Das Autodafé wird zu einem Ballett in Gold, angeführt von einem Großinquisitor, der wie eine Heiligenstatue ausstaffiert ist. In der «New World», in die Candide am Ende des ersten Aktes aufbricht, verwandelt er sich zu einem Astronauten, der mit Hilfe des spiegelnden Bühnenhintergrundes real zu schweben scheint. Das Land Eldorado, laut Libretto «even more beautiful than ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Lehrstück und Seelendrama

Die Liste der bemerkenswerten Händel-Einspielungen wächst, die Repertoirelücken füllen sich langsam. Dafür sorgen nun auch die Neuaufnahmen von «Ottone», dem Erfolgsstück aus Händels erster Londoner Academy 1723, und «Il trionfo del Tempo e del Disinganno». Vom «Trionfo» gibt es im Handel zwar gut ein halbes Dutzend CD-Aufnahmen, aber mit der Neuproduktion vom...

Vertan und versungen

Die historische Aufführungspraxis hat sich inzwischen auch an den Musikhochschulen fest etabliert. Wichtig aber ist, dass die Studenten möglichst rasch auch in Ensembles miteinander zu spielen, in der Gruppe Phrasierungen und Dynamiken zu entwickeln lernen. An der Münchner Musikhochschule leistet das seit 2014 die Accademia di Monaco, die Joachim Tschiedel,...

Apropos... Hosenrollen

Sie sind die zehnte Spielzeit fest an der Bayerischen Staatsoper, trotzdem werden Ihnen – man nehme nur gerade den Nicklausse an der Met – immer größere Seitensprünge gestattet.
Es ist die perfekte Mischung. Ich habe in München viele wunderbare Rollenchancen bekommen. Und das an einem Haus, an dem ich fast jeden mittlerweile kenne, nicht nur das künstlerische...